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Überblick: Gesundheit


Internet-Apotheken als Vorteil?

Praxistest: Was bringt der Einkauf über Versandapotheke

von Werner Schuren

Über den Versandhandel von Arzneimitteln wurde in den vergangenen beiden Jahren viel gestritten. Krankenkassen und Regierung propagierten seine Freigabe, Apotheker hingegen wollten am Verbot festhalten und sammelten Millionen Unterschriften "pro Apotheke". Mit viel Vorschusslorbeeren wurde die Zulassung des Arznei-Versandhandels in der Bundesrepublik ab Januar 2004 begrüßt. Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz machte es möglich (s.a. LEBEN UND WEG 1/04) Bisher durften in Deutschland - anders als im Ausland - Arzneimittel nur über örtliche Apotheken vertrieben werden. Das Arzneimittelgesetz verbot den Versandhandel. Da aber Erfahrungen im Ausland zeigten, dass mehr Wettbewerb auf dem Arzneimittelmarkt durchaus zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen beitragen kann, rechnet das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen mit jährlichen Ersparnissen von rund 2 Milliarden Euro bei den Krankenkassen.

Seit dem 1. Januar 2004 erstatten nun die Krankenkassen die Kosten für bei Versandapotheken bezogene Arzneimittel. Mit den verfügbaren Medien Post, Telefon, Fax und Internet haben Versicherte den direkten Draht zu Ihrer Versandapotheke, vorausgesetzt, es handelt sich um ärztlich verordnete, rezeptpflichtige Medikamente aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Um rezeptpflichtige Bestellungen zu bearbeiten, benötigt die Versandapotheke das Originalrezept. Daher können diese Medikamente nicht per Fax bestellt werden. Der Versandhändler wird die Kosten für die o.g. Arzneimittel direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Es gibt bereits eine Reihe von Versandapotheken, die bei den Krankenkassen zugelassen sind. LEBEN UND WEG wollte wissen: Welche Vorteile haben Patienten, wenn sie rezeptpflichtige Medikamente über Versandapotheken beziehen. Hier das Ergebnis unserer durch Testkäufe untermauerten Recherchen:

Bei deutschen Versandapotheken gibt es eigentlich keine Vorteile, sieht man einmal von der Lieferung in die Wohnung ab. Aber diesen Service bieten die meisten Apotheken vor Ort auch. Und zwar als kostenlosen Kundendienst, während etliche Versandapotheken den Patienten zusätzliche Portokosten berechnen.

Die Zuzahlung ist auch bei allen deutschen Versandapotheken zu leisten - Vergünstigungen (z.B. Boni oder Prämien) gibt es nicht. Dies wäre auch rechtswidrig, gilt doch in Deutschland noch die gesetzliche Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel. Obwohl z.B. die VersandApo auf Anfrage mitteilte, auf Kassenrezept würden 10 Prozent Bonus gewährt, hieß es nach erledigter Bestellung, dies sei ein "Irrtum". Anders dagegen die Situation bei ausländischen Versandapotheken. Im Ausland gilt die deutsche Preisbindung für Medikamente nicht. Aber auch hier können deutsche Patienten ihre Rezepte einreichen: So verlangt DocMorris bei Bestellung rezeptpflichtiger Präparate nur die Hälfte der Zuzahlung. Das ist eine Ersparnis von 5 Euro bei einem Arzneimittelpreis über 100 Euro. Liegt der Preis zwischen 5 und 100 Euro, spart der Versicherte zwischen 2,50 Euro und 5 Euro, bei Artikeln unter 5 Euro ist es die Hälfte des Preises.

Die Europa-Apotheke erhebt auch die volle Zuzahlung, zahlt ihren Kunden jedoch bei jeder Rezeptbestellung einen Bonus von 3 Prozent für jedes Medikament (mindestens 2,50 Euro, maximal 15 Euro) bezogen auf den deutschen Apothekenverkaufspreis. Bei frei-verkäuflichen Medikamenten und bei Privatrezepten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, erhält man 10 Prozent Nachlass auf den deutschen Apothekenverkaufspreis. Die schweizerische Apo AG erhebt bei der Einreichung von Kassenrezepten vom Besteller die gesetzliche Zuzahlung. Auf den Warenwert des Kassenrezepts wird eine Bonusgutschrift in Höhe von 3 Prozent, maximal 10 Euro pro Medikament, gewährt. Das Pharma-Kontor bietet Ermäßigungen von durchschnittlich 20 Prozent auf die deutschen Apothekerpreise, akzeptiert derzeit aber nur Pnvatrezepte. Versandkostenfrei bei Rezeptbestellungen liefert die Europa-Apotheek. DocMornis fordert eine Versandkostenpauschale in Höhe von 4,95 Euro. Die frisst die Ersparnis bei der Zuzahlung wieder auf, es sei denn, man bestellt mindestens zwei rezeptpflichtige Medikamente, rezeptfreie Ware für mehr als 40 Euro. Denn dann verzichten die Holländer auf die Versandpauschale.

Die Kosten für Arzneimittel, die ohne Rezept erhältlich sind (z.b. Medikamente gegen Erkältung, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme), werden nur noch in Einzelfällen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Alle Versandapotheken, deutsche wie holländische, bieten besonders bei diesen Medikamenten günstige Preise, wobei gegebenenfalls die Versandkosten zu berücksichtigen sind.

Ein Preisbeispiel:

Eine Packung mit 20 Aspirin Plus C Brausetabletten kosten nach der deutschen Arzneitaxe - das sind die empfohlenen Verkaufspreise 7,98 Euro.
Die Ap0AG und die Europa-Apotheke verlangen dafür 7,18 Euro, Sanicare 7,19 Euro, Pharmakontor 7,29 Euro und DocMorris berechnet 7,45 Euro.
Bei einem Preisvergleich sollten Sie auch die möglichen Versandkosten berücksichtigen.

Deutsche Versandapotheken wie Sanicare verpflichten sich, die bestellten Medikamente "innerhalb einer Frist von mindestens 48 Stunden zu liefern" (Das ist jedoch die Bearbeitungszeit innerhalb der Apotheke nach Eingang des Rezeptes). Dagegen gibt die Europa-Apotheek vorsichtigerweise an, erst 4 bis 5 Tage nach Eingang der Bestellung zu liefern, Pharma-Kontor sogar 6 bis 8 und DocMorris etwa 10 Tage. Das dürfte dann keine Rolle spielen, wenn man regelmäßig das gleiche Medikament braucht und die Zeit einplanen kann. Für eine Akutversorgung ist jedoch der Vertriebsweg Versandapotheke generell ungeeignet. Hier sollten Medikamente über herkömmliche Apotheken bezogen werden. Die Arzneimittelsicherheit in in- und ausländischen Versandapotheken entspricht deutschen Standards. Auch führen Versandapotheken Beratungen durch und legen den Medikamentenlieferungen teilweise eigene Einnahme- und Warnhinweise bei.

Unser Tipp: Vergleichen Sie Preise und Konditionen. Nutzen Sie die Preisvorteile der, insbesondere ausländischen, Versandapotheken.

Kontakt zu den Versandapotheken:

• Ap0AG, Internet: wwwapo.ag, Tel.: 0180/5606605
• DocMorris, Internet: www.docmorris.com, Telefon 0180/53626647
• Europa-Apotheek Venlo, Internet: www.europa-apotheek.com, Tel.: 01 80/2 27 62 25
• Pharmakontor, lnternetadresse: www.pharmakontor.com, Tel.: 0700/63345263
• Sanicare, Internet: www.sanicarede, Tel.:08 00/4 45 56 62

Werner Schuren

aus: Leben und Weg 4/2004 Seite 18