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Chroniker-Programme


Kassen loben Chroniker-Programme
„Krankheits-Management" führt laut AOK und teilnehmenden Ärzten zu Qualitätsverbesserung/Erste Bilanz

von Michael Bergius

Die medizinische Versorgung chronisch Kranker über spezielle Programme trägt erste Früchte - zumindest im Rheinland, wo die beteiligten Kassen und Ärzteverbände spürbare „Qualitätsverbesserungen" preisen.

In Berlin zogen die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und die AOK-Rheinland am Dienstag eine positive Bilanz zu einem Vorhaben, das seit seinem Beschluss durch Rot-Grün vor zwei Jahren bis heute umstritten ist: Durch die „Disease Management-Programme" (DMP) sei die Versorgungslage chronisch Kranker deutlich verbessert worden, betonten KV-Chef Leonard Hansen und der rheinische AOK-Vorsitzende Wilfried Jacobs.

2002 hatte die Bundesregierung Kassen, Kliniken und Ärzte verpflichtet, besondere Behandlungsprogramme für Patienten zu vereinbaren, die an Herzgefäß-Erkrankungen, Diabetes und Brustkrebs leiden. Dem Appell liegen Statistiken zu Grunde, wonach in Deutschland etwa 18 Millionen Menschen von so genannten Volkskrankheiten betroffen sind und rund 20 Prozent der Versicherten über 80 Prozent der Ausgaben auf diesem Behandlungsfeld verursachen.

In der Großregion Nordrhein, die sich frühzeitig dem Programm angeschlossen hatte, zeige sich, „dass strukturierte Versorgungskonzepte den Patienten nutzen und auch Abläufe (im Medizinbetrieb) verbessern", betonte Jacobs. Hansen verwies darauf, dass mittlerweile mehr als 70 Prozent aller niedergelassenen Fachärzte, rund 140 Kliniken sowie etwa 320 000 Patienten an den drei Sonderprogrammen teilnähmen.

Während Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ihr Modell mit dem Ziel verknüpft, Ärzte und Patienten zu einem „Team" zusammenzuschweißen, sprach AOK-Chef Jacobs gar von einem „Paradigmen-Wechsel": So könnten Brustkrebs-Patientinnen nun bereits im Krankenhaus psycho-soziale Betreuung in Anspruch nehmen, auf frühzeitige Besuche des Chefarztes setzen und Gynäkologen zu ihren „Begleitern" zählen.

Nach Hansens Worten haben die neuen Programme zu „messbaren Qualitätsverbesserungen" geführt: So seien bei der Krebs-Therapie zahlreiche Ziele, etwa zu Brust-erhaltenden Operationen, erreicht worden; bei Diabetes-Patienten hätten sich Zucker und Blutdruck-Werte deutlich positiv entwickelt, und drei Viertel aller Erkrankten nähmen an Diabetiker-Schulungen teil. In der gesamten Ärzteschaft werden die jetzt in Berlin vorgelegten und - mangels vergleichbarer Daten - bundesweit nicht repräsentativen Erkenntnisse aus dem Rheinland nicht geteilt. So rügt die Bundesärztekammer das neue Programm als Weg aus der „Therapie-Freiheit", der „direkt zum gläsernen Patienten" führen werde. Kammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe kritisierte das DMP-Projekt unlängst als „gesundheitspolitische Umverteilung" und „Beschäftigungsprogramm für Krankenkassen". Derlei „Polemik" ziele ins Leere, Therapie-Entscheidungen träfen „allein Arzt und Patient", hielt KV-Funktionär Hansen dagegen. Jacobs räumte zwar ein, bei den DMP-Programmen müsse „ohne Frage die Bürokratie herunter gefahren werden". Wer sich indes heute noch gegen das Projekt ausspreche, gehöre zu den „Ideologen und Bewahrern", die mit Krankheitsmanagement „überhaupt keine Erfahrung haben".

Aus: FR vom 9.2.2005, Seite 5


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