Arzthonorar wird nicht bezahlt

Gesundheitsoffensive Hessen klagt über Budgetierung


FRANKFURT A. M. Hessens Ärztinnen und Ärzte in freier Praxis leisten mehr, als sie bezahlt bekommen. Dies teilte jetzt der Verein Gesundheitsoffensive Hessen mit, der Ärzte und Psychotherapeuten im gewerkschaftlichen Sinne vertritt. Nach Darstellung des Vorsitzenden Werner Prinz wurden im vierten Quartal 2001 Leistungen im Wert von 100 Millionen Mark (knapp 50 Millionen Euro) nicht bezahlt. Grund seien die Budgetierungen und Fallbegrenzungen. Er fordert eine eindeutige Definition dessen, was medizinisch notwendig ist. Ob Politiker, Mediziner oder Krankenkassen: "Jeder hat eine andere Auffassung davon." Das, so der Gynäkologe aus dem nordhessischen Wolfshagen, müsse sich ändern.

Bis dahin empfiehlt er seinen Kolleginnen und Kollegen, zeitlich verschiebbare Leistungen dann zu erbringen, wenn das Budget dafür zu Verfügung steht - das heißt zu Anfang eines Quartals. Ausgenommen seien selbstverständlich akute Erkrankungen. Etwa wenn eine Patientin mit schwerer Eierstockentzündung zu ihm komme. Die erste Untersuchung mit Ultraschall und dem Verschreiben eines Medikaments sei noch im Budget enthalten. Doch schon bei der Kontrolle sei die Obergrenze des Budgets erreicht. Geht es der Patientin noch immer nicht gut, erbringe der Arzt Leistungen, für die die Krankenkassen nicht zahlen.

Die Hals-, Nasen-, Ohrenärzte sind nach Angaben der Gesundheitsoffensive besonders betroffen. Im vierten Quartal 2001 hätten sie lediglich 74 Prozent des angeforderten Honorars erhalten. Es folgten Kinderärzte mit 82 Prozent, die Frauenärzte mit 84 Prozent sowie die Augenärzte mit 85 Prozent. "Alle anderen Facharztgruppen beziehungsweise Hausärzte", heißt es, "haben ebenfalls nur 90 Prozent des wegen ihrer Leistungen angeforderten Honorares anerkannt bekommen." jur

Zu einem Informationstag unter dem Motto "Vertragsarzt 2003? Sicherstellungsauftrag - ein unlösbarer Konflikt?" lädt der Verein Ärzte und Psychotherapeuten für Mittwoch, 29. Januar, 11 bis 13 Uhr, ins Dr.-Löwenstein-Hochhaus, Georg-Voigt-Straße, in Frankfurt ein. Infos: www.gesundheitsoffensive.de

FR vom 4.1.2003