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Überblick: behinderte Frauen


Weiblich, behindert, schwanger - eine neue Statue für den Trafalgar Square in London

Das ist doch wirklich mal ein positives Zeichen an prominenter Stelle! Seit mehr als 150 Jahre steht der vierte Sockel auf dem berühmtesten Platz Londons leer. Seither wird überlegt, welches Kunstwerk den Sockel zieren soll. Die Entscheidung fiel am 15. März diesen Jahres auf die viereinhalb Meter hohe Statue einer nackten schwangeren behinderten Frau: Alison Lepper. Das Bildnis der Künstlerin ohne Arme ist von Marc Quinn entworfen worden und wird ab Frühjahr 2005 direkt gegenüber der Nationalgalerie stehen.

Auch wenn das Bildnis von Alison Lepper nur für 12 Monate auf dem Londoner Platz zu sehen sein wird, - die Stadt hat beschlossen wechselnde zeitgenössische Kunst ins Herz der Stadt zu holen - ist es ein wichtiges Signal an die Kunst und die Politik. Denn diese Statue bricht Tabus. Sie zeigt, dass auch behinderte Frauen schöne Aktmodelle sein können.

Und sie konfrontiert Millionen von Menschen, die jährlich den Platz in der Mitte Londons besuchen, mit ihren (Vor)Urteilen und Ideen über behinderte Menschen. Niemand kann daran vorbeisehen, dass behinderte Frauen wie jede andere Frau auch mitten im Leben Sitzen, als Schwangere, Mutter, Liebhaberin. Das hätte es vor 30 Jahren nicht gegeben - und ist u.a. der behinderten Frauenbewegung zu verdanken. Natürlich hat die Wahl der Jury auch schon Diskussionen ausgelöst und wird weitere nach sich ziehen. Zum Beispiel wird hinterfragt, ob denn eine behinderte Frau Kunst sein kann. Für Alison Lepper ist der Fall klar. Sie fragt sich gegenüber der Tageszeitung "The Guardian": "Warum kann mein Körper keine Kunst sein?" Seltsam, bei anderen Skulpturen nackter Frauen wird nicht hinterfragt, ob dies Kunst ist..........

Martina Puschke

Weiberzeit April 2004 Nr. 3


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