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Überblick: behinderte Frauen


Europäisches Behindertenparlament - Frauenbelange noch "Randthema"

Teilgenommen haben 170 Delegierte aus 28 Ländern sowie Mitglieder des Europäischen Parlaments und des europäischen Behindertenforums. Mit BeobachterInnen waren es dann insgesamt 300 Teilnehmerlnnen, die sich zum Europäischen Behindertenparlament vom 10-11.11.03 in Brüssel einfanden.

In über 80 kurzen Statements der TeilnehmerInnen gewannen alle Anwesenden einen Einblick sowohl in spezifische Probleme, die mit bestimmten Behinderungsarten verbunden sind, als auch in die jeweils unterschiedliche Lebenssituation, in der sich Menschen mit Behinderung in den verschiedenen europäischen Ländern befinden.

Über alle Unterschiede hinweg wurde der Wille der Anwesenden deutlich, auf europäischer Ebene gemeinsame Verbindlichkeiten zu schaffen, die für alle Menschen mit Behinderung zu einer Verbesserung der Lebenssituation führen. Ebenso einig waren sich alle darin, dass die Belange behinderter Menschen ein Hauptthema in allen politischen Bereichen - und eben nicht nur in der Behindertenpolitik - sein müssen.

Resolution und Manifest

So bestand eine der Hauptaufgaben des Parlaments auch darin, eine gemeinsame Resolution sowie ein Manifest zu verabschieden. In dem ersten Teil der Resolution wurde die Umsetzung der EU-Richtlinien in nationales Recht, die Schaffung weiterer und die Unterstützung bestehender Vorgaben und Konventionen, sowie die Schaffung einer UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen gefordert. In dem zweiten Teil wurden maßgebliche politische Ziele für Bereiche wie z.B. Transport, Zugänglichkeit von Gebäuden, Erziehung, Forschung oder Bioethik formuliert. Das Manifest richtet sich in erster Linie an die KandidatInnen für die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2004. Diese werden aufgefordert, sich für eine Demokratie für Alle einzusetzen. Neben der Unterstützung der Errichtung nationaler Antidiskriminierungsrichtlinien sowie einer entsprechenden UN-Konvention wurde ganz generell die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Forderungen behinderter Menschen in der europäischen Politik gefordert. Mit Blick auf die Parlamentswahlen im Mai heißt dies auch die Gewährleistung barrierefreier Wahlvorgänge. Auch sollten Menschen mit Behinderung darin unterstützt und ermutigt werden, sich als KandidatInnen zur Verfügung zu stellen.

Es wurde jedoch auch sehr deutlich, dass die spezifischen Belange von Frauen und Mädchen mit Behinderung immer noch ein selten genanntes Randthema sind. Denn im Vordergrund der Überlegungen standen behinderungsspezifische Benachteiligungen und zwar meist im Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit. Dass heißt nicht, dass die spezifischen Probleme von Frauen und Mädchen mit Behinderung nicht grundsätzlich bekannt wären. Nur finden sie so gut wie keinen Eingang in Vorschläge für Maßnahmen, in Resolutionen oder in Statements. So forderte lediglich § 25 (von insgesamt 32 Paragrafen) der verabschiedeten Resolution recht allgemein, dass die besondere Situation von Frauen mit Behinderung berücksichtigt werden soll. Mit keinem Wort erwähnt wurde in Brüssel z.B. das Problem der sexualisierten Gewalt, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder generell die fehlende Unterstützung bei der Wahrnehmung von Erziehungspflichten oder Familienarbeit. Dies ist um so erstaunlicher, als rund die Hälfte der Teilnehmenden weiblich war. Es ist halt auch halt Europa noch ein weiter Weg...........

Brigitte Faber

Resolution, Manifest und Fotos gibt es unter:


www.edf-feph.org/EPDP2003/documents_en.htm  
www.edf-feph.org/EPDP2003/press_en.htm  
www.europarl.eu.int/comparl/empl/conferences/20031110/default_en.htm  


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