BMO 

(Bio-) Ethik


Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) - PID/Prä-Implementations-Diagnostik -
da machen wir nicht mit!

WARUM UMWELT- UND ARBEITSBEDINGUNGEN AN DIE MENSCHEN ANPASSEN, WENN ES DOCH AUCH UMGEKEHRT GEHT?

Das Beispiel eines Babies, das als Knochenmarks-spender für den Bruder zur Welt kam, leitet über zu einem ganz anderen Feld: Außer zu medizinischen Zwecken ließe sich durch gezielte Auswahl bei der PID natürlich auch z.B. die genetische Veranlagung für eine Resistenz gegen bestimmte Umweltgifte gezielt aussuchen. Die auf diese Weise "vorsortierten" Kinder wären dann für die Arbeit in bestimmten Fabriken bzw. mit bestimmten Gefahren-stoffen besonders geeignet. Auch eine genetische Veranlagung zur Anfälligkeit für bestimmte Allergien könnte schon bald eine Barriere bei Einstellungen auf bestimmte Arbeitsplätze sein. Ungeachtet, ob es überhaupt zur Ausbildung dieser Allergien kommt oder nicht, könnte ein Gen-Check Voraussetzung werden bei Einstellungsverhandlungen.

Anfang 2001 stellten US-Forscher "ANDi" vor (Chan et al., 2001). Rückwärts gelesen ergibt der Name die Abkürzung "1DNA", was "inserted DNA", also eingefügte DNS oder Erbsubstanz, bedeutet. ANDi ist ein Rhesusäffchen, dem erfolgreich das Leuchtgen einer Tiefseequalle einfügt wurde, das Hautzellen bei Bestrahlung mit bestimmtem Licht zum Leuchten anregt. So unsinnig dieser Versuch zunächst erscheinen mag, - außer der Sicherung nächtlicher Spaziergänge im Straßenverkehr ist der Sinn leuchtender Haut kaum einzusehen - handelt es sich hierbei um einen Riesenschritt in der Entwicklung hin zum planbaren Menschen. Mit Methoden wie dieser wird es möglich, auch Primaten (zu denen neben Affen auch die Menschen gehören) beispielsweise Resistenzgene einzupflanzen, um sie an bestimmte Umweltbedingungen anzupassen. Aus der Pflanzenzüchtung ist diese Praxis ja schon seit langem bekannt. Hier hat sich aber auch gezeigt, wie problematisch diese aktive Veränderung des Genoms sein kann, weil manche der genetisch veränderten Pflanzen nach Aussetzen im Freiland z.B. Unkrautresistenzen an Wildkräuterarten übertragen können, die dann ihrerseits zum Problem werden (Vogel & Amman 1998).

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Kapitalismus und der Industrie sind nicht ermutigend, dass es hier etwa zu einer Selbstbeschränkung kommen wird. Wurden in den 1980er Jahren noch allen Ernstes Mitarbeiterinnen einer US-Chemiefirma aufgefordert, sich sterilisieren zu lassen, weil sie am Arbeitsplatz Bleiverschmutzung ausgesetzt waren (statt die Arbeitsplätze so zu gestalten, dass keine Gesundheitsgefährdung für die Kinder bestand) (Hansen & Kollek 1985), werden die Skrupel heute mit Sicherheit nicht größer sein, zugunsten von Profitinteressen Menschen an Leib und Leben zu manipulieren. So kann man sich eine Zukunftsvision ausdenken, in der die Kinder durch genetische Veränderungen an bestimmte Berufe und die darin anfallenden Gifte angepasst werden, anstatt dass die Giftbelastungen gesenkt werden. Solche Veränderungen dürften weitgehend auf bestimmte gesellschaftliche Schichten beschränkt bleiben. Die an Zünfte des Mittelalters gebundene Vererbbarkeit von Berufen wäre dann im modernen Gewand wiedererstanden, Unterschiede in den beruflichen Möglichkeiten schon künstlich genetisch festgelegt. Freiheit, Chancengleichheit und Selbstbestimmung blieben auf der Strecke. Wird es in Zukunft von der genetischen Ausstattung her bestimmt sein, welche Berufe wir ausüben (dürfen)? Werden Umweltschutzmaßnahmen von der Gentechnologie auch auf diesem ganz unerwarteten Gebiet torpediert werden?

FAZIT:

Die neuen Methoden der Fortpflanzungsmedizin, zunächst die PID durch gezielte Auswahl, in Zukunft durchaus auch denkbar in Verbindung mit künstlicher Einfügung bestimmter Gene, eröffnen ein weites Feld für Missbrauch und lassen befürchten, dass in Zukunft vielleicht eher der Mensch an die Umwelt angepasst wird als umgekehrt. Dies muss auf jeden Fall verhindert werden, wenn wir nicht auf grundsätzliche gesellschaftliche Errungenschaften wie Freiheit, Chancengleichheit und gleiche Rechte für alle Menschen verzichten wollen.

Wir sagen: NEIN!!!
PID GEHT ALLE AN!!!

Eine Informationsschrift der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) zur Initiative gegen genetische Selektion 2002


BM-Online