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(Bio-) Ethik


Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) - PID/Prä-Implementations-Diagnostik -
da machen wir nicht mit!

DIE EIER WACHSEN NICHT AUF BÄUMEN
SOZIALE AUSWIRKUNGEN UND GEFAHREN DER
GEN- UND REPRODUKTIONSTECHNOLOGIEN
FÜR FRAUEN

Frauen sind im hohen Maße involviert, wenn es um Techniken wie die PID, das Klonen, die Stammzell-und Embryonenforschung geht. Denn Frauen sind u.a. d ie Trägerinnen der begehrten Eizellen. Für sie entstehen gravierende gesundheitliche Risiken bei der Eizellentnahme und der IVF. Auf Frauen - zumindest auf nicht-behinderten Frauen - lastet der gesellschaftliche Druck "alles tun zu müssen", um ein ("gesundes") Kind zur Welt zu bringen. Und nicht zuletzt werden Frauen häufig instrumentalisiert, indem das "Selbstbestimmungsrecht der Frau" ins Feld geführt wird, um die PID zu rechtfertigen. Öffentlich thematisiert werden diese Bereiche jedoch allenfalls von Frauen selber. In der allgemeinen Debatte geht es nicht um die Frau und die Herkunft der Eizellen und der Embryonen, sondern um die Techniken und um die scheinbaren "Waren" Embryo und Eizelle.

Die Verdinglichung in der Diskussion wird offenbar in der verwendeten Sprache. Hier wird trügerisch von der Eizellen-'Gewinnung", der Eizellen-,,Ernte" oder auch der Eizellen-,,Spende" gesprochen. Es entsteht der Eindruck, als würden die Eizellen auf Bäumen wachsen und müssten nur noch gepflückt werden. De facto unterziehen sich Frauen vor einer IVF oder Eizellen-"Spende" einer medikamentösen Hormonstimulation, damit möglichst mehrere Eier in einem Zyklus heranreifen, um sie anschließend operativ entfernen zu lassen. Dieser operative Eingriff ist beschwerlich und nicht ungefährlich. Zudem kann es durch die Hormongabe zu einer Überstimulation mit gesundheitlichen Risiken für die Frau kommen. Ein frühzeitiger Abort oder Mehrlingsschwangerschaften sind die häufige Konsequenz der Zeugung in vitro.

Auch wenn über die Eizellen (und deren Herkunft) nicht viel gesprochen wird: dass sie massenhaft gebraucht werden, um Forschung zu betreiben, ist offensichtlich. Sie werden benötigt zur embryonalen Stammzellforschung und zur derzeit nicht erlaubten Keimbahnmanipulation sowie zum reproduktiven Klonen und zur Embryonenforschung.

In der Forschung besteht entsprechend ein enormer Druck, an reife Eizellen zu gelangen. Aber wie? Der Phantasie sind bislang wenig Grenzen gesetzt. Z.B. bleiben bei jeder IVF einige Eizellen "übrig", die nicht in den Körper der Frau zurückgeführt werden. Sie werden "auf Eis" gelegt, für den Fall, dass die Frau nicht wie erwünscht schwanger wird (s. Einleitung). Darüber hinaus gibt es in Ländern, in denen die PID bereits praktiziert wird, befruchtete Eizellen, die bei der PID "übrig" geblieben sind. Bereits vor der Zustimmung des Bundestages zum Import embryonaler Stammzellen boomte der Markt für Eizellen via Internet. In den USA gibt es Agenturen, die Eizellen für etwa 6.000 US Dollar anbieten. Anzeigen bieten Frauen bis zu 10.000 US Dollar für eine Eizellspende. Es gibt jedoch auch andere Methoden, an reife Eizellen zu kommen: In Großbritannien wird Frauen beispielsweise angeboten, ihre Eizellen einzutauschen: Die Hälfte der herangereiften Eizellen für eine kostenlose IVF Behandlung. Die Freiwilligkeit der "Spende" ist insbesondere bei finanziell schlechter gestellten Frauen durchaus in Frage gestellt.

Bereits seit den 80er Jahren beäugen Feministinnen die Fortpflanzungsmedizin und Humangenetik kritisch. Insbesondere der Kinderwunsch wurde und wird im gesellschaftlichen Kontext gesehen. Durch die Idealisierung der Familie mit genetisch eigenen Kindern glauben Frauen alles technisch mögliche in Anspruch nehmen zu müssen, um ein Kind zu gebären. Dieser gesellschaftliche Druck wird von IVF-Kliniken ausgenutzt und forciert, die ihrerseits argumentieren, sie kämen mit dem Angebot der IVF dem Wunsch unzähliger Paare nach. Ähnliche Argumentationslinien erkennen wir bei der Diskussion um die PID. Auch hier wird argumentiert, dass die PID legalisiert werden müsse, da viele Paare sie einfordern. Die Frage, warum Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen in dieser Gesellschaft nicht erwünscht sind, wird nicht gestellt. Darüber hinaus dürfe die PID Frauen nicht verwehrt werden, da sie das Selbstbestimmungsrecht der Frau stärke. Hier werden Frauen argumentativ instrumentalisiert. Solange Frauen jedoch mit gesellschaftlichen und finanziellen Sanktionen rechnen müssen, wenn sie sich für ein behindertes Kind entscheiden, kann nicht von einer Selbstbestimmung gesprochen werden.

Neben der Diskussion um das Selbstbestimmungsrecht der Frau ist die Androhung, die Debatte um den § 218 wieder aufzunehmen, wenn Frauen die PID ablehnen, eine beliebte Methode, um Frauen argumentativ aufs Glatteis zu führen. Denn: Wer für das Recht der Frau auf Schwangerschaftsabbruch ist, der müsse auch die PID akzeptieren. Schließlich ginge es im § 218 auch um das Aussortieren und Vernichten von Embryonen. Diese Sichtweise ist jedoch stark verkürzt und entspricht weder dem Willen des Gesetzgebers noch der Ausgangslage. Ausgangsbasis für den Abbruch der Schwangerschaft nach dem § 218 ist nämlich die individuelle Konfliktsituation und körperliche oder seelische Gesundheit der Frau. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung handelt es sich um einen Embryo im Mutterleib mit einer leiblichen Beziehung zwischen Embryo und Frau. Wir gehen davon aus, dass keine Frau leichtfertig abtreibt! Zudem ist eine Schwangerschaft auf Probe beim § 218 nicht vorgesehen. Bei der PID hingegen würden Keimzellen ohne emotionale Beziehung nach einem Behinderungsvermeidungskatalog selektiert. Hier besteht ein entscheidender Unterschied, der es nicht rechtfertigt, dass eine Abtreibung mit der Selektion in der Petrischale gleichgesetzt wird. Dass eine Abtreibung eines behinderten Kindes bis kurz vor der Geburt erlaubt ist, ist ein anderes Thema und muss auch gesondert diskutiert werden!

FAZIT: in der gesamten Diskussion um die Gen- und Reproduktionstechnologien zeichnen sich derzeit zwei gegensätzliche Positionen ab. Auf der einen Seite dominieren Forscherinnen mit einer stark technisierten Argumentation. Am anderen Ende der Debatte werden von Seiten der Kirchen ethische und moralische Bedenken eingebracht. Eine breite gesellschaftspolitische Diskussion, in der z.B. die Auswirkungen für Frauen dargestellt werden, findet zumindest in den Massenmedien nicht statt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Wir sagen: NEIN!!!
PID GEHT ALLE AN!!!

Eine Informationsschrift der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben (ISL) zur Initiative gegen genetische Selektion 2002


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