BMO 

Überblick: (Bio-) Ethik


Angebliches Klon-Baby beschäftigt Justiz

Anwalt erstattet Anzeige / US-Behörde untersucht Firma / Eltern lehnen Gentest ab

Ein unabhängiger Beweis für das erste angebliche Klonen eines Babys steht weiter aus und könnte von den Eltern des angeblichen Klonkinds ganz abgelehnt werden. Die US-Aufsichtsbehörde FDA wurde derweil bei der umstrittenen US-Firma Clonaid vorstellig.

PARIS / NEW YORK, 3. Januar (dpa/afp). Nach Angaben von Brigitte Boisselier, Direktorin des von der Raelianer-Sekte gegründeten Unternehmens Clonaid, sind derzeit keine Gentests des Babys und der Mutter durch unabhängige Wissenschaftler möglich, da sich die Eltern unter Druck gesetzt fühlten und noch keine Zustimmung gegeben hätten. Eigentlich hatte Boisselier das Kind schon vor Tagen untersuchen lassen wollen.

Mit einem Vergleich der Erbsubstanz, können Genetiker nachweisen, ob ein angeblich geklontes Baby tatsächlich das genetische Ebenbild der Mutter oder des Vaters ist. Boisselier hatte vor einigen Tagen mit der Bekanntgabe der Geburt des angeblichen Klonbabys weltweites Aufsehen erregt. Eve, wie das Kind von der Sekte genannt wurde, war den Angaben Boisseliers zufolge am 2. Weihnachtstag zur Welt gekommen. Die amerikanischen Eltern baten sich noch 48 Stunden Bedenkzeit aus, ob sie den Gentests zustimmen werden, sagte die Clonaid- Chefin.

Am 22. Januar soll im US-Bundesstaat Florida über eine Vormundschaft für das Kind verhandelt werden, sagte der US-Anwalt Bernard Siegel. Der Anwalt hatte Anzeige erstattet. Er wirft den "Eltern" und Urhebern des angeblichen Babys vor, das Kind einem "gefährlichen medizinischen Experiment" auszusetzen. Eve ist laut Siegel "ein menschliches Versuchskaninchen", bei dem mit "dauerhaften genetischen Schäden" zu rechnen sei.

Boisselier bestätigte, dass Beamte der US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) in den USA mehrere Büros von Clonaid aufgesucht hätten, um Aufklärung über die Klon-Arbeiten zu erhalten. Ein FDA-Sprecher sagte, die Aufsichtsbehörde wolle zunächst prüfen, ob Clonaid tatsächlich einen Menschen geklont habe. Die USA haben bisher kein Gesetz, das das Klonen verbietet. Doch alle Experimente mit Menschen müssen von der FDA genehmigt werden. Boisselier hatte weder einen Antrag gestellt noch hätte sie laut FDA die Genehmigung für ihre Arbeit bekommen. Boisselier betonte, dass das Kind nicht in den USA geklont worden sei.

aus: Frankfurter Rundschau 4.1.2003, Seite 8


BM-Online