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Nach dem Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung 2003


Rückblick: Offizielle EJMB-Bilanzveranstaltung

Mit einer zweitätigen Bilanzveranstaltung im Hotel Maritim Berlin fand das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003 seinen Abschluss. Walter Hirrlinger krititisierte als Sprecher des Deutschen Behindertenrates, dass das Ziel des EJMB „Nichts über uns ohne uns" durch die Bundesregierung nur teilweise umgesetzt wurde. Der Paradigmenwechsel hin zu einer auf Gleichstellung, Teilhabe und Selbstbestimmung ausgerichteten Behindertenpolitik sei durch die Bundesregierung nicht eingelöst worden.

Für laute Pfiffe und Tumult sorgte Staatssekretär Franz Thönnes vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung als er in seinen Ausführungen behauptete, das EJMB 2003 sei in Deutschland ein voller Erfolg gewesen. Die anwesenden Menschen mit Behinderung bekundeten dagegen lautstark ihre Forderungen: ein „solidarisches Gesundheitssystem", „Absicherung bedarfsgerechter Assistenz in selbstgewählter Umgebung", ein „zivilrechtliches Antidiskriminierungsgesetz", „Lebensrecht für alle Menschen" und „menschenwürdige Politik".

Als Konsequenz aus dem EJMB 2003 regte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karl Hermann Haack, an, bis zur Messe RehaCare 2004 ein nationales Kompetenzzentrum zu schaffen, in dem die Erfahrungen und der Sachverstand behinderter Menschen als Experten in eigener Sache gebündelt werden und das Aufgaben wahrnehmen kann wie Beratung zur Durchsetzung der Barrierefreiheit oder Entscheidungsvorbereitung in politischen Prozessen.

Irmgard Winkler

Aus: LEBEN UND WEG 2/2004, Seite 13