Pflegevertag genau prüfen 

Pflegevertrag genau prüfen

1995 trat die Stufe 1 der Pflegeversicherung in Kraft. Seitdem hat sich in Hessen die Zahl der ambulanten Pflegedienste von 600 auf 990 erhöht. Dieser Trend ist im gesamten Bundesgebiet zu beobachten. Die Voraussetzungen, einen solchen Pflegedienst zu eröffnen, sind relativ gering. Eigene Geschäftsräume sowie vier angestellte examinierte Kräfte aus den Bereichen Krankenpflege, Altenpflege oder Kinderkrankenpflege müssen vorgewiesen werden. Eine Kraft übernimmt die Pflegedienstleitung, eine andere deren Vertretung, zwei weitere Mitarbeiter werden ausschließlich in der Pflege selbst eingesetzt.

Die Pflegedienstleitung muß in den vergangenen fünf Jahren mindestens zwei Jahre in einem der Pflegeberufe hauptberuflich gearbeitet haben, davon laut Bundesanzeiger des Bundesministeriums der Justiz "in der Regel" mindestens ein Jahr im ambulanten Bereich. Auch wird ein Abschluß einer Weiterbildungsmaßnahme für leitende Funktionen mit mindestens 460 Stunden verlangt. Jedoch wird für eingestellte Pflegedienstleitungen eine Übergangsfrist von sieben Jahren (nach Abschluß der Vereinbarung) zur Erlangung dieser Qualifikation eingeräumt.

Die AOK Hessen spricht von einem Überangebot von Pflegediensten, die um die Kunden buhlen. Die pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige würden dem oft recht ratlos gegenüberstehen. Welcher Pflegedienst ist nun der richtige für mich? Daß die "Chemie" stimmen muß, ist klar. Denn nur wenn eine Vertrauensbasis zwischen Gepflegten und Pfleger entsteht, läßt es sich ertragen, daß ein "Fremder" in die Privat- und Intimsphäre eindringt.

Unbedingt sollte das Recht auf eine ausführliche Beratung wahrgenommen werden. Dieses Gespräch soll klären, welche Pflegeleistungen vom Pflegedienst erbracht werden und was der Pflegebedürftige oder dessen Angehörige selbst übernehmen können. Von den in Frage kommenden Diensten sollte dann ein Kostenvoranschlag mit einer Auflistung der Leistungen eingeholt werden. Offengelegt werden muß hierbei, in welchem Umfang die Kranken- oder Pflegekasse die Kosten übernimmt und welche Leistungen der Versicherte selbst oder das Sozialamt übernehmen muß. Die Dienste sind an ihre Kostenvoranschläge gebunden.

Der Pflegedienst muß über die Lebenssituation der Pflegebedürftigen informiert sein, Angehörige, behandelnde Ärzte und verordnete Medikamente kennen. Er muß dem Gepflegten einen festen Ansprechpartner nennen und für Notfälle 24 Stunden täglich erreichbar sein. Im schriftlichen Pflegevertrag wird klar vereinbart, welche Leistungen erbracht werden, zudem werden die Anzahl der Einsätze, die Kosten und Kostenträger sowie die Kündigungsfristen fixiert.

Eine genaue Dokumentation der Pflege ist zudem Pflicht des Pflegedienstes. Die Unterlagen müssen als lückenloses Protokoll im Haushalt des Versicherten aufbewahrt werden. Hausarzt oder Medizinischer Dienst, Pflegekassen oder Krankenkassen können Einblick nehmen.

Bei Fragen und Beschwerden sollten sich die Pflegebedürftigen oder deren Angehörigen an die Kranken- oder Pflegekassen wenden. Qualitätsmängel bei der Pflege können sich auf die personelle oder die Sachmittel-Ausstattung des Pflegeunternehmens oder auch auf den Ablauf der Versorgung beziehen. Auch das Ergebnis der Pflege spielt natürlich eine Rolle bei der Bewertung. Seit viereinhalb Monaten führt die AOK regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst Qualitätskontrollen durch, bei denen ein Krankenpfleger, ein Arzt und ein neutraler Gutachter die Lage vor Ort beurteilen. Sie machen sich ein Bild vom Zustand des Gepflegten, kontrollieren die Unterlagen der Pflegekräfte und überprüfen die Pflegedokumentation. ih
FR 20.02.1999