Pflege schafft neue Jobs 

Pflege schafft neue Jobs

In Hessen werden 3000 zusätzliche Mitarbeiter benötigt

Von Stephan Börnecke

BAD NAUHEIM. Die Umsetzung der Pflegeversicherung wird in Hessen zumindest anfangs möglicherweise von fehlenden Pflegekräften begleitet sein. Sowohl die hessische Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Ilse Stiewitt (SPD), als auch Sprecher der Kommunen wiesen bei einer Tagung des Hessischen Landkreistages in Bad Nauheim zum Thema ,,Geld oder Pflege« darauf hin, daß es vor allem in der ambulanten Pflege zunächst noch Lücken geben könne.

Nach Rechnung von Stiewitt würden in den nächsten zehn Jahren in Hessen etwa 3000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Sie zu beschaffen, könne anfänglich nicht einfach sein, räumte die Ministerin während der Tagung ein. Die Pflegeversicherung, über die künftig pro Jahr in Hessen eine Milliarde Mark an Leistungen ausgegeben werden wird, wirke damit auch arbeitsmarktpolitisch.

Das AOK-Direktionsmitglied Wolfgang Stark sagte, wolle man das Ziel ,,ambulant vor stationär« erreichen, dann müßten die ,,pflegerischen Angebote gerade im ambulanten Bereich optimal auf die Bedürfnisse der Pflegenden und der Pflegebedürftigen« abgestimmt werden. Bisher zeichneten sich die Angebote jedoch ,,nur bedingt durch Bedarfsorientierung« aus, sie seien geprägt durch ,,leistungsrechtliche Schematisierungen«, arbeitsrechtliche Vorgaben oder ,,rein betriebswirtschaftliche Überlegungen«.

Stiewitt kündigte am Freitag den Widerstand der Sozialdemokraten gegen die Anordnung des Bundesarbeitsministers an, die Leistungen erst ab einem anerkannten Pflegebedarf von täglich mehr als 90 Minuten (Pflegestufe eins) beginnen zu lassen. Dadurch würden 400000 Menschen ausgegrenzt, beklagte die Ministerin. Hessen wolle dies nicht zulassen und deshalb auch für diesen Personenkreis ambulante Leistungen ,,fördern«.

Nach Stiewitts Rechnung werden von 1995 an 186000 Menschen Hilfe benötigen. Dafür müsse das Netz der Sozialstationen von 190 auf 250 ausgebaut werden. Allein diese Stationen benötigten im kommenden Jahr 640 neue Mitarbeiter, bis zum Jahr 2000 kämen noch 500 hinzu.

Offen ließ Stiewitt den im Bereich der häuslichen und stationären Pflege erforderlichen Investitionsbedarf, wobei der ambulante Bereich stärker gefördert werden solle. Das Land werde eigene Mittel bereitstellen und auch von den Kommunen bei der Sozialhilfe ,,eingesparte« Gelder verwenden, die diese nicht mehr ausgeben müssen, da solche Leistungen künftig zum Teil aus der Pflegekasse bezahlt werden. Das Gros der Einsparungen sollten die Kommunen zur Sanierung ihrer Haushalte verwenden können.

FR 26.11.94