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Euro-Toilettenschlüssel für Behinderte


Barrierefrei aufs Klo

Schlüsselservice kaum genutzt

Zwei der öffentlichen Toiletten in Wiesbaden sind barrierefrei. Eine steht am Schlossplatz und eine am Platz der deutschen Einheit. Die dritte in der Schulgasse musste den Umbauarbeiten von Karstadt am Mauritiusplatz weichen. Doch richtig barrierefrei sind die ebenerdigen, geräumigen Toiletten dann doch nicht, meint Bodo Schütz, Redakteur der Sendung „Ganz Normal" von Radio Rheinwelle, die sich als „Behindertensprachrohr" versteht. Denn: Um an den Schlüssel für die Behindertentoiletten zu kommen, müssen die gehandicapten Menschen eine halbe Weltreise unternehmen: Die Schlüssel werden nämlich von den Entsorgungsbebetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) ausgegeben, und deren Verwaltung ist vor drei Jahren in den Unteren Zwerchweg nahe der Mülldeponie gezogen. „Ein beschwerlicher Weg für mobilitätseingeschränkte Personen" meint Schütz. Der Arbeitskreis der Wiesbadener Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen, dem rund 35 Vereine angehören, hat daher eine „barrierefreie Lösung" gefordert und schlägt vor, die Schlüsselausgabe ins Rathaus zu verlegen.

CDU: Gedankenloser Standort

Unterstützung für diese Idee findet der Arbeitskreis bei der CDU: So spricht der sozialpolitische Sprecher der Rathausfraktion von einem „gedankenlosen Standort", der nicht zumutbar sei. Es müsse „unbürokratisch und schnell" ein zentraler Ort, der für Rollstuhlfahrer leicht erreichbar sei, gefunden werden, so Ulrich Weinerth.

Doch die ELW winken ab. Die Kritik sei unberechtigt, sagte Pressesprecher Frank Fischer. „Wer nicht selbst kommen oder jemanden beauftragen kann, dem bringen wir kostenlos den Schlüssel", so Fischer. Und das seit 1986, als das bundeseinheitliche Schließsystem eingeführt wurde. Das Rathaus liege weder für Kostheimer noch für Biebricher zentral, sagt Fischer. Schon der frühere Verwaltungssitz in der Schamhorststraße im äußeren Westend habe sich nicht bewährt. Nur fünf Mal im Jahr werde der Schlüssel, der bundes- und inzwischen europaweit die Türen der stillen Örtchen öffnet, gegen 13 Euro Pfand und Vorlage des Schwerbehindertenausweises ausgeliehen. „Insgesamt sind 80 Schlüssel im Umlauf", so Fischer, weitere 20 Schlüssel haben die ELW in Reserve. Die Initiative für einen einheitlichen Schlüssel für Toiletten in Raststätten und in europäischen Städten ging 1986 von dem Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt (CBF) aus. Bei dem Verein können die Schlüssel für 15 Euro gekauft werden.

Den Euro-Toilettenschlüssel erhält man bei den ELW, Unterer Zwerchweg 120,
Hans-Hermann Petroll, 0611/31-2770
oder im Servicecenter, 0611 / 31-9700.
www.cbf-darmstadt.de

aus: FR vom 18.8.2004, S. 2


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