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Mini-Jobs bei Rentern und Renterinnen


Mini-Jobs mit Folgen

Nur Rentner über 65 dürfen ohne Auswirkungen zu ihrem vorzeitigen Altersruhegeld unbegrenzt hinzuverdienen

„Ich bin mit 60 Jahren als Schwerbehinderte ohne Abschlag in Rente gegangen. Wie hoch ist hier die Hinzuverdienstgrenze?", fragt eine FR-Leserin. Und eine andere möchte wissen: „Muss ich demnächst als Rentnerin Steuern abführen? Ich bin bald 63 Jahre alt und noch im Berufsleben. Künftig rechne ich mit 1100 Euro brutto Monatsrente, Mieteinnahmen in Höhe von 460 Euro und einem Hinzuverdienst auf 400-Euro-Basis."

Anfrage zum Arbeits- und Sozialrecht an die Frankfurter Rundschau

Antwort von Hans Nakielski

Beide Leserinnen sollten sich gut überlegen, ob sie wirklich einen 400-Euro-Job annehmen. Grundsätzlich gilt zwar: Mini-Jobs bis zu 400 Euro im Monat sind für die Beschäftigten abgabefrei - jedenfalls dann, wenn sie (auch neben einer Vollzeit-Tätigkeit) nur einen einzigen geringfügigen Job haben. Das gilt auch für Rentner. Auch als Ruheständlerinnen können also - egal wie alt Sie sind - 400 Euro steuer- und sozialabgabenfrei (dazu) verdienen.

Allerdings: Ein solcher Mini-Job kann böse Folgen für die gesetzliche Rente haben. Das gilt dann, wenn die Jobber - wie die beiden FR-Leserinnen - noch keine 65 Jahre alt sind. Nur Rentner über 65 dürfen ohne Auswirkungen auf ihre Bezüge unbegrenzt zu ihrem vorzeitigen Altersruhegeld hinzuverdienen. Für jüngere Rentner (auch für jüngere Schwerbehinderte, Frauen oder Arbeitslose mit Altersrente) ist der folgenlose Hinzuverdienst auf „ein Siebtel der monatlichen Bezugsgröße« begrenzt. Das bestimmt das sechste Sozialgesetzbuch (SGB VI). Die „monatliche Bezugsgröße« wird in der Regel jährlich angepasst. Dieses Jahr hat sie sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert. Sie beträgt nach wie vor 2415 Euro. Ein Siebtel davon sind 345 Euro.

Nur so viel dürfen Sie als unter 65-Jährige neben Ihrer Rente verdienen, ohne dass die gekürzt wird. Bei höheren Einkünften wird Ihre Rente nicht nur um ein paar Euro, sondern gleich um ein volles Drittel zusammengestrichen - so lange, wie Sie den Job ausüben. Sie haben dann nämlich nur Anspruch auf eine Teilrente in Höhe von zwei Dritteln der Vollrente. Wie viel Sie neben der Zwei-Drittel-Rente ohne weitere Folgen dazuverdienen dürfen, wird individuell ausgerechnet. Faustregel: Zwei-Drittel-Rentner, die vor ihrem Renteneintritt ein durchschnittliches Einkommen hatten, dürfen höchstens etwa 900 Euro brutto hinzuverdienen - bei höheren Verdiensten gibt es statt der Zwei-Drittel-Rente nur die halbe Rente. Die genauen Zahlen kann Ihr Rentenversicherungsträger ausrechnen.

Falls Sie unter 65 Jahren sind, kommen zwei Varianten in Frage: Entweder Sie üben nur eine geringfügige Beschäftigung aus. Dann sollte Ihr monatlicher Verdienst aber die Grenze von 345 Euro nicht überschreiten. Oder Sie nehmen in Kauf, dass wegen eines höheren Zuverdiensts Ihre Altersbezüge in der Zeit, in der Sie jobben, um ein Drittel gekürzt werden. Dann sollten Sie wenigstens den für Sie geltenden Hinzuverdienst-Spielraum ausschöpfen - und aufpassen, dass Ihre Rente nicht sogar um die Hälfte gekappt wird. Interessant dabei ist auch: Die Beiträge, die Sie als unter 65-Jährige bei Jobs neben der Teilrente an die Rentenkasse abführen, erhöhen noch (ein wenig) Ihre Altersrente.

Eine wohl beruhigende Antwort gibt es für die zweite Fragestellerin: Sie müssen sich als künftige Rentnerin keine Sorgen um eine höhere Steuerbelastung machen. Das gilt selbst dann, wenn Sie Ihren Eintritt in die Rente noch ein oder zwei Jahre aufschieben. Welcher Teil Ihrer Altersbezüge steuerpflichtig ist, hängt davon ab, in welchem Jahr Sie in Rente gehen. Tun Sie das noch in diesem Jahr, so sind 50 Prozent Ihrer Jahresbruttorente steuerpflichtig. Bei 1100 Euro Bruttorente sind das - aufs Jahr bezogen - 6600 Euro. Würden Sie im kommenden Jahr in Rente gehen, so wären 52 Prozent und 2007 bereits 54 Prozent ihrer Bezüge von der Rentenkasse zu versteuern.

Nur ein Teil ist steuerpflichtig

Die Zahlen sollten Sie nicht schrecken: Selbst wenn Sie Ihre Mieteinnahmen von 460 Euro hinzuzählen, werden allenfalls geringe Steuern fällig. Von dem Gewinn (also Einnahmen minus absetzbare Aufwendungen) aus Ihren Mieteinnahmen können Sie - sobald sie 64 Jahre alt sind - einen Altersentlastungsbetrag absetzen. Er beträgt 2005 noch 40 Prozent der positiven Einkünfte, maximal 1900 Euro. Bei einem späteren Renteneintritt sinkt dieser Entlastungsbetrag geringfügig. Das bedeutet: Sowohl von Ihrer Rente als auch von Ihren Mieteinkünften ist nur ein Teil steuerpflichtig.

Von der Summe Ihrer steuerpflichtigen Einnahmen können Sie als Rentnerin noch eine Reihe von Ausgabenposten absetzen: Ein Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro. Ihr Eigenanteil zur Kranken- und Pflegeversicherung, Beiträge zur Haftpflichtversicherung und die Kirchensteuer mindern Ihre Einkünfte gegenüber dem Finanzamt. Als außergewöhnliche Belastungen könnten Sie weiterhin bis zu 624 Euro für die Beschäftigung einer Hilfe im Haushalt sowie - nach Abzug der zumutbaren Eigenbeteiligung - Krankheitskosten absetzen. Unterm Strich heißt das: Ihre steuerpflichtigen Einkünfte werden vermutlich allenfalls um einige hundert Euro über dem steuerlichen Grundfreibetrag liegen, der derzeit 7664 Euro beträgt. Nur der überschießende Betrag wird besteuert. Allerdings: Um eine Steuererklärung und das Sammeln von Belegen werden Sie auch als Rentnerin nicht herumkommen.

WEITERE INFORMATIONEN

• Rente und Steuern: Mehr Informationen dazu gibt's im „Steuerwegweiser für den Ruhestand" vom Hessischen Finanzministerium. Er kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter www.hmdf.hessen.de („Ihre Finanzen" und „Steuerbroschüren" anklicken). Bei den Rentenversicherungsträgern (BfA, LVA) gibt es die Broschüre „Neues Steuerrecht für Versicherte und Rentner". Auch sie steht im Internet, und zwar unter www.bfa.de.
• „Rente und Hinzuverdienst" heißt eine Broschüre der BfA. Sie enthält die wichtigsten Infos zu den Nebenverdienstgrenzen.

Nak

Aus: FR vom 11. Februar 2005, Seite 27


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