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Recht und Gesetz: Gebärdensprache


GEBÄRDENSPRACHE

Viele kennen sie aus der "Tagesschau" bei Phoenix - die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Unter vollem Körpereinsatz übersetzen Dolmetscher die Nachrichten fürjene Minderheit von etwa 80000 DEUTSCHE, die gehörlos oder hörgeschädigt sind. Außenstehende erinnert das Zusammenspiel von Gesten, Mimik und lautlosen Lippenbewegungen bisweilen an eine Lehrstunde in Pantomime, dabei handelt es sich um eine eigene Sprache wie Englisch, Französisch oder Deutsch. Sie hat eine eigene Syntax und eigene Grammatik. Wie in der gesprochenen Sprache gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Gebärdensprachen und von Region zu Region abweichende Dialekte. So muss man sich die Gebärde für Frau im Bayrischen als Griff ans Ohrläppchen vorstellen, in Bremen als gewölbte Hand über der rechten Brust. Lange Zeit war diese Form der Kommunikation verpönt, Eltern gehörloser Kinder drängten den Nachwuchs, sich laut zu artikulieren.

Dabei ist die GEBÄRDEN-SPRACHE DER LAUT- UND SCHRIFTSPRACHE EBENBURTIG, so steht es im Bundesgleichstellungsgesetz von Mai 2002.

Es sichert Gehörlosen oder Hörgeschädigten einen Rechtsanspruch auf einen Gebärdendolmetscher zu, wenn sie in Kontakt mit Bundesbehörden treten. Inzwischen gilt diese Regelung auch für den Umgang mit Landesbehörden und Kommunen - zumindest in den Ländern, die eigene Gleichstellungsgesetze verabschiedet haben. Vorreiter war Berlin, noch vor dem Bund schuf der Senat 1999 eine Rechtsgrundlage für die Integration Behinderter. Brandenburg, RheinlandPfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Bayern zogen nach, andernorts wird noch an Entwürfen gefeilt.

ahi

aus: FR vom 28.1.2004, Seite 29


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