Pressemitteilung zum Protesttag, dem 5. Mai 1998

Aktion Sorgenkind und 102 Verbände


Am 5. Mai ist der "Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen".

Mit unterschiedlichsten informations- und Protestaktionen beteiligen sich einige hundert Organisationen, Initiativen, Verbände und Einrichtungen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe in der ganzen Bundesrepublil< am "Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen" am 5. Mai.

Unter dem Slogan "5. Mai - wir sind dabei!" werden sich in zahlreichen Städten, unter anderem Berlin, Hamburg, Mülheim, KöIn, Trier Mainz, Frankfurt, Heidelberg und München behinderte Menschen, ihre Angehörigen und Freunde sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verbänden und Einrichtungen vor Rathäuser oder anderen öffentlichen Gebäuden einfinden, um den Protesttag mit einem bundesweiten "Anpfiff' zu beginnen.

Bei den dezentralen Aktionen geht es einerseits um allgemeine politische Forderungen, wie etwa der Umsetzung des erst I 994 in die Verfassung aufgenommenen Satzes "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" in konkrete Gesetzgebungen (z.B. ein Antidiskriminierungsgesetz ADG), anderseits um den Protest gegen konkrete Benachteiligungen vor Ort. So läßt sich beispielsweise ein Berliner Bürger im Rollstuhl von einem Kran an ein Fenster des Rathauses in Berlin-Lichtenberg hinaufziehen, um auf diese Weise an der Bürgerberatung teilzunehmen. Mit Kundgebungen, Podiumsdiskussionen, Infotischen, Pressekonferenzen, Umfragen, Musik, Kabarett - und Theater Veranstaltungen soll eine breite Öffentlichkeit auf die konkreten Probleme behinderter Menschen und mögliche Lösungen aufmerksam gemacht werden.

Zahlreiche Gruppen haben ihre 5. Mai-Aktion in diesem Jahr in den Rahmen der "Aktion Grundgesetz" gestellt. Die bundesweiten Kampagne zum Thema "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" (Art. 3 Abs. 3 GG), die von über hundert bundesweit arbeitenden (Dach)Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe getragen wird, setzt sich für eine konsequente Umsetzung des Verfassungsanspruchs in die Wirklichkeit ein. Mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen in allen wichtigen überregionalen Blättern wird unter der Überschrift "Art. 3 Abs. 3 GG: Uben! Uben! Uben!" für ein größeres und differenziertes Problembewußtsein geworben. Einige Fernsehsender haben sich bereit erklärt, kostenlos einen Spot zum Protesttag zu senden.

Uber 35 Millionen behinderte Menschen leben nach Schätzungen von Behindertenorganisationen in Europa. Besonders aktiv sind an diesem Tag vor allem die bundesdeutschen Verbände und Organisationen, die in den vergangenen Jahren durch vielfältige Protest-Aktionen in der ganzen Republik für Auf merksamkeit sorgten. Aktionen gibt es aber auch in vielen anderen europäischen Ländern.