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Biochips bei Krebserkrankung


Detektive aus dem Genlabor

Wie lassen sich Krebserkrankungen frühzeitig erkennen? Wie bösartig ist ein entdeckter Tumor? Gibt es schon Fernmetastasen? Wird eine Chemo- oder Hormontherapie sein Wachstum stoppen können? Diese Fragen werden sich mit Biochips künftig besser beantworten lassen als bisher. Bei Brustkrebs hat die Zukunft schon begonnen. An der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore ist ein Genchip entwickelt worden, der bösartige Zellen in der Spülflüssigkeit (Lavage) von Brustdrüsengängen bei Frauen mit hohem familiären Risiko enttarnt. Der Test zeigte bei mehreren hundert Frauen mit Veränderungen in den Genen BRCA1 und -2 noch nicht erkannte bösartige Geschwulste der Brust richtig an.

Wie bösartig die Krebszellen sind, soll ein Biochip aus dem Krebsinstitut Amsterdam klären helfen. Das Team um Rene Bernards hat 70 Gene identifiziert, die in frühen Tumorstadien anzeigen, ob der Brustkrebs wahrscheinlich Fernmetastasen bilden wird oder nicht, und zwar unabhängig vom Befall der Lymphknoten. Eine erste klinische Studie mit 295 Frauen, die jünger als 53 Jahre waren und Brustkrebs hatten, ergab, dass sich die Prognose mit Hilfe des Biochips deutlich zuverlässiger stellen ließ als mit den herkömmlichen Methoden, nämlich zu 80 bis 90 Prozent genau. Derzeit läuft eine Studie mit mehr als 5000 Teilnehmerinnen, Die Analysen bestätigen die Vermutung, dass sich die Neigung von Brustkrebs, Fernmetastasen zu bilden, über das Genmuster erkennen lässt.

Ist es erfolgversprechend für eine Patientin, wenn sie vor der Operation eine Chemotherapie erhält? Privatdozent Andreas Schneeweiß von der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg hat in Zusammenarbeit mit dem Krebsforschungszentrum einer Genchip entwickelt, der mit 80-prozentiger Gewissheit eine Vorhersage über den Erfolg bei der einzelnen Patientin erlaubt.

Die vielen Gentests müssen für die Anwendung in der Praxis-Routine noch zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt und besser erprobt werden. Aber das dürfte nur noch wenige Jahre dauern.

nsi

Aus: FR vom 5.Juli 2005, S. 24


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