Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Individuelle Gesundheitsleistungen

(IGEL-Katalog)

Eine Patienteninformation

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

als Versicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhalten Sie nach wie vor alle notwendigen ärztliche Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Diese Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. So steht es im Gesetz. Die Krankenkassen zahlen dafür einen Pauschalbetrag, egal wieviele Leistungen die Patienten in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus gibt es wünschenswerte und nützliche medizinische Leistungen, die aber nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen gehören, die Sie aber, weil Sie zum Beispiel eine Urlaubsreise ins Ausland planen (zum Beispiel reisemedizinische Impfberatung) oder Tauchen lernen wollen (zum Beispiel Eignungsuntersuchung), von Ihrem Arzt wünschen. Diese Wunschleistungen dürfen von Ihrem Arzt nicht über die Chipkarte erbracht und abgerechnet werden. Das heißt, Ihr Arzt darf diese Leistungen nicht zu Lasten der Versichertengemeinschaft erbringen. Er muß diese Leistungen, wenn Sie sie wünschen, Ihnen als Privatleistung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnen.

So sagte auch Bundespräsident Roman Herzog zur Eröffnung des 100. Deutschen Ärztetages im Mai 1997:

,,Eine Krankenversicherung ist für das medizinisch Notwendige da, nicht für das sozialpolitisch Wünschenswerte".

Was sind ,,Individuelle Gesundheitsleistungen"?

Es handelt sich dabei um Leistungen, die

- nicht Bestandteil des GKV-Leistungskataloges sind

- aber vom Patienten nachgefragt und gewünscht werden

- ärztlich empfehlenswert und medizinisch vertretbar sind. Zum Beispiel:

Reisemedizinische Beratung und entsprechende Impfberatung

Reise-Impfungen

Eignungsuntersuchungen zum Beispiel für Reisen1 Flugtauglichkeit, Tauchsport

Sportmedizinische Untersuchungen und Beratungen

Allergologische Berufseignungstests (z.B. Bäcker, Friseur)

Medizinisch-kosmetische Leistungen wie Entfernung von Tätowierungen

Ästhetische Operationen

Tests zur Prüfung der Verträglichkeit von Kosmetika

Blutgruppenbestimmung auf Wunsch

Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen auf Wunsch

und vieles andere mehr.

- nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden dürfen, sondern vom Patienten, der diese Leistungen ausdrücklich von seinem Arzt gefordert hat privat bezahlt werden müssen.


Warum stellen die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt die individuellen Gesundheitsleistungen der Öffentlichkeit vor?

Die Antwort auf diese Frage ist im Grunde einfach: Das System einer solidarisch finanzierten Krankenversicherung stößt bereits jetzt an seine Grenzen, wenn es darum geht, die Altersentwicklung zu bewältigen und den medizinischen Fortschritt an alle Versicherten weiterzugeben.

Nicht notwendige, wenn auch nützliche medizinische Wunschleistungen dürfen über die Chipkarte nicht in Anspruch genommen werden. Deshalb macht die Zusammenstellung der individuellen Gesundheitsleistungen allen Beteiligten - Ärzten, Patienten, Krankenkassen - deutlich, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden dürfen.

Im Rahmen dieser individuellen Gesundsleistungen kann der Einzelne für sich selbst entscheiden, was er über seinen Krankenkassenbeitrag hinaus für seine Gesundheit ausgeben will. So unterstützt diese Klarstellung die Eigenverantwortung des Versicherten gegenüber der Versichertengemeinschaft.

Patientinnen und Patienten sind mündige Bürgerinnen und Bürger

Leistungen wie reisemedizinische Beratung und sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind ärztlich empfehlenswert und dürfen auch Kassenpatienten nicht vorenthalten werden. Auch auf andere zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen brauchen gesetzlich Krankenversicherte nicht zu verzichten, denn mündige Bürgerinnen und Bürger können aufgrund ihrer eigenen Entscheidung diese individuellen Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen.

Warum sollte ein Bürger der den Wunsch nach besonderen Gesundheitsleistungen hat, sich diesen nicht privat erfüllen - und sei es über eine Zusatzversicherung? Warum sollte ein Arzt dem Wunsch des Versicherten nicht entsprechen, wenn es sich um keine gesundheitsschädlichen Leistungen handelt? Schließlich ist er gegenüber dem Versicherten nicht ausschließlich Kassenarzt, sondern in erster Linie ein freiberuflich tätiger Arzt.