GONG Nr. 53/23.12.97 -gesünder leben:

Ambulante Eingriffe werden immer häufiger: Morgens operiert, abends wieder zuhause

Bei diesen Leiden sind ambulante Eingriffe möglich:

Augen: Grauer und Grüner Star, Netzhautablösung, Schielen, Kurzsichtigkeit

Mund: Mundschleimhaut- und Kieferveränderungen, Speichelsteine

Nase: Nasenscheidewand-Verbiegungen, Erkrankungen der Nasennebenhöhlen

Ohren: Trommelfell-Defekte, Korrektu abstehender Ohren

Schilddrüse: Kropf

Hals: Stimmband- und Kehlkopfpolypen, vergrößerte Rachenmandeln

Schulter: Sehnen-, Knochen- und Gelenkverletzungen der Schulter

Hände: Karpaltunnel-Syndrom (chronischer Druckschmerz eines Unterarmnervs), Dupuytrensche Kontraktur (Sehnenverhärtung und Schrumpfung der Handinnenfläche)

Haut: Gutartige und bösartige Hauttumoren, Leberflecke, Entfernung von Feuermalen am ganzen Körper

Brust: Gutartige Bindegewebsknoten, Zysten, Herzschrittmacher-Implantation

Bauch: Erkrankungen des Magens (Spiegelung, Blutstillung), der Leber (Gewebeentnahme), der Galle (Entfernung von Gallensteinen oder der Gallenblase), Blinddarmentzündung, Leistenbruch und andere Eingeweidebrüche

Wirbelsäule: Bandscheibenvorfall

Unterleib: Bei der Frau: Zysten am Eierstock, Myome der Gebärmutter, Feigwarzen, Eileiter-Verklebungen;

beim Mann: Hodenhochstand, Wucherungen der Prostata, Vorhautverengungen;

bei beiden: Sterilisation

Knie: Meniskusschäden, Kreuzbandriß, Knorpelschäden.

Beine: Krampfadern, Knochenbrüche

Fuß: Großzehballen, Krallenzehe

Von KARIN HACKENBROICH und RUIH NIEMÖLLER


Noch vor zehn, fünfzehn Jahren war es kaum vorstellbar, schon wenige Stunden nach einer Blinddarmoperation, einem Knochenbruch oder einem Bandscheibeneingriff wieder zu Hause zu sein. Heute ist dies nichts Ungewöhnliches mehr. Dank enormer Fortschritte in der Operationstechnik lassen sich selbst komplizierte Eingriffe immer häufiger auch ambulant durchführen. Möglich macht dies die sogenannte minimal-invasive Chirurgie. Darunter versteht man den chirurgischen Eingriff durch natürliche Körperöffnungen oder winzige Schnitte, durch welche feinste Operationsinstrumente eingeführt werden. Meist wird dabei ein Endoskop benutzt, ein dünnes Rohr mit einer Optik oder einer Videokamera an der Spitze, die das Operationsfeld auf einen Monitor übertragen.

Die Vorteile der ambulanten Operationen für den Patienten liegen auf der Hand: Nur winzige Schnitte und kleinste Narben, schnelle Wundheilung, kurze Genesungszeit und kein langer Klinikaufenhalt. Dadurch ist vor allem das Infektionsrisiko geringer, aber auch Thrombosen und Embolien treten seltener auf, da die Patienten schon ein paar Stunden nach dem Eingriff wieder gehen und sich bewegen müssen. Die Komplikationsrate bei ambulanten Operationen liegt unter einem Prozent und ist somit niedriger als bei einem Krankenhausaufenthalt. Hinzu kommt, daß ambulante Eingriffe wesentlich preiswerter sind als solche mit nachfolgendem Klinikaufenthalt. Es gibt allerdings einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine ambulante Operation möglich ist:

Der Patient darf nicht an schweren Erkrankungen leiden wie Herzrhythmusstörungen, Stoffwechselentgleisungen (Diabetes), schwerem Asthma. Auch wer bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, sollte sich stationär behandeln lassen.

Nach dem Eingriff muß der Patient von einer Begleitperson abgeholt werden, und es muß auch jemand da sein, der sich zu Hause um den Operierten kümmert, denn bei eventuellen Komplikationen wie Nachblutungen oder Fieber muß der Operateur umgehend darüber informiert werden.

Doch nicht nur der Patient, auch der Arzt muß einige Voraussetzungen erfüllen. Daß man sich in guten Händen befindet, erkennt man an einigen wichtigen Merkmalen: Der Eingriff wird in einem speziellen Operationsraum mit angeschlossenem Aufwachraum und den nötigen Sterilisationseinrichtungen vorgenommen. Dieser Bereich sollte vom normalen Praxisbereich getrennt sein. Der Eingriff wird von einem Narkosearzt überwacht. Adressen von Ärzten, die ambulant operieren, nennt Ihnen Ihr Hausarzt. Oder Sie wenden sich an den Bundesverband für ambulantes Operieren, Sterntorbrücke 3, 53111 Bonn (frankierten Rückumschlag beilegen).