Idee für ,,Mediziner-TÜV" trifft auf geteiltes Echo

Bundesärztekammer weist AOK-Vorschlag zurück / Marburger Bund begrüßt Initiative

BONN, 16. Februar (dpa/epd). Die Bundesärztekammer hat den Vorschlag der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) für einen ,,Ärzte-TÜV« abgelehnt. Kammerpräsident Carsten Vilmar wandte sich entschieden gegen die Einführung medizinischer Qualitätskriterien und wies den Vorstoß als ,,Werbegag der AOK« zurück.

Dagegen bekräftigte der AOK-Bundesverband seine Vorstellungen und forderte die Bundesärztekammer auf, ,,sich einer sachlichen Auseinandersetzung um nachprüfbare Qualitätskriterien für eine optimale medizinische Behandlung zu stellen«. Mit der Idee eines ,,Ärzte-TUV« verbunden ist die Absicht, Kranke in Zukunft besser und preiswerter zu behandeln. Maßstäbe könnten nach Auffassung der Kassen Behandlungsdauer, Rückfallquote, Komplikationshäufigkeit, Patientenzufriedenheit und Behandlungkosten sein.

Vilmar warf den Krankenkassen vor, ihnen fehlten für eine solche Überprüfung ,jegliche Beurteilungsmaßstäbe«. Die Ausbildung der Ärzte sei ,,Sache des Staates«, die Fort- und Weiterbildung entsprechend den Landesgesetzen Aufgabe der Ärztekammer. Ein ,,Ärzte-TUV« wäre ,,eine Industrienorm«, kritisierte Vilmar. Wir behandeln Patienten und keine Werkstücke, die uns die AOK anliefert«, sagte der Kammerpräsident im Saarländischen Rundfunk. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Hans Jürgen Ahrens, wies die Darstellungen Vilmars als ,,untauglichen Versuch« zurück, der notwendigen Diskussion um mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit

auszuweichen. Ahrens verwies auf die Niederlande, wo es 70 Leitlinien für medizinische Qualität gebe. Diese deckten zentrale Bereiche der Allgemeinmedizin ab.

Der Klinikärzteverband Marburger Bund (MB) begrüßte im Prinzip einen ,,Ärzte-TUV«, warnte aber vor oberflächlichen Hitlisten. ,,Ein Krankenhaus, das sich intensiv um Risikopatienten kümmert, kann je nach Kriterium statistisch schlechter wegkommen als eine Klinik, die entsprechende Patienten stets verlegt«, erklärte der MB in Köln. Wenn es aber darum gehe, ,,die Qualität der ärztlichen Arbeit und Krankenhausleistungen zu verbessern, stehen wir in vorderster Linie«. Allerdings gebe es in einzelnen Ländern längst funktionierende Modelle ärztlicher Qualitätssicherung.

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