Mein Online-Tagebuch - 7


Neulinge fragen immer wieder: wenn ich nun - in einem Internet-Cafe oder zuhause mit frisch eingerichtetem Online-Anschluß - vor dem Monitor sitze, welche Seiten soll ich denn dann anwählen?

Da gibt es natürlich viele Wege, die ins WWW führen.

- Es gibt jede Menge Zeitschriften, die mehr oder weniger umfangreiche Hinweise auf interessante Seiten geben. Das Spektrum reicht von jeder besseren Tageszeitung, die inzwischen fast täglich über Internet-Aktivitäten berichten (und sei es der Sportverein von Kleinkleckersdorf), es gibt von etablierten Zeitschriften Internet-Ableger (beim Stern heißt das "Konrad", TV-today gibt "online+computer" heraus...), und es gibt reinrassige Online-Blätter (PC-Online...).

Bei den meisten ist im Kaufpreis eine CD-ROM dabei, die die Bookmarks enthält (sodaß man die manchmal ellenlangen URL nicht abtippen muß - eine Fehlerquelle weniger!), und aktuelle Programme sind auch dabei (vom neuesten Bugfix des Internet Explorer bis zum Programm, das ganze Websites auf die eigene Platte spiegelt).

Aber auch das Fernsehen bietet manche Information - beim ZDF heißt das "NetNite", beim WDR "escape", bei 3sat "Neues", und im Videotext und oder auf der Homepage des jeweiligen Senders gibt es weiterführende Informationen. So bietet z.B. NetNite eine aktuelle Liste der Internet-Cafes.

Etwas steiniger: die Suchmaschinen. Da es für das Internet weder "Telefonbücher" noch eine "Auskunft" gibt, da derartige zentralen Dienste einfach nicht zur Struktur des Internet passen könnten, bleiben - vom DE-NIC abgesehen - nur die sog. "Suchmaschinen". Hier handelt es sich um mehr oder weniger umfangreiche Index-Webserver, die eine Suchmaske anbieten, in die man ein Suchwort eintippen kann - oder mit etwas Übung auch verknüpfte Suchbegriffe (die genaue Syntax ist unterschiedlich, im Grunde aber angelehnt an Datenbank-Abfragen). Wer sich über Suchmaschinen informieren möchte, sollte sich bei Stefan Karzauninkat die "Suchfibel"; anschauen - das ist die beste und fundierteste Einführung zum Thema, die mir bisher begegnet ist. http://www.karzauninkat.com/suchfibel/.

Eine ziemlich umfangreiche Auflistung von Suchmaschinen findet sich bei den Links von "Neues"; auf 3sat ("http://www.3sat.com/neues.htm").

Auf jeden Fall fördert der Weg über Suchmaschinen jede Menge Links zutage, und auch wenn es sehr mühsam sein kann, sich auf diesem Wege einen Überblick zu verschaffen (es dauert nun einmal Stunden, sich durch 3.785 Verweise zum Stichwort "Rollstuhltechnik" zu arbeiten!), so führt bei einer gründlichen Recherche kein Weg an Suchmaschinen vorbei.

Richtig spannend kann es dann werden, wenn man die Links nutzt - viele Sites haben ihrerseits eine Seite mit Links, und dann kommen manchmal die kleinen Perlen zutage...

Eine gute Informationsquelle kann das Fernsehen sein - beinahe jeder Sender hat eine Computer-Sendung, und wie in jeder anderen Hinsicht auch, gibt es sehr unterschiedliche Qualität, unterschiedliche Schwerpunkte etc. - große Vielfalt eben.

Mit Abstand die älteste Sendung ist der "Computerclub" des WDR; neuerdings gibt es bei diesem Sender auch eine spezielle Online-Sendung "escape". schon beinahe legendär ist die Homepage des WDR (www.wdr.de); beim Hessischen Fernsehen heißt die entsprechende Sendung "Skyrock", und die "NetNite" des ZDF (das ist dann etwas für Hartgesottene: eine ganze Nacht lang Beiträge aus und über Internet!) hat schon fast enzyklopädischen Umfang.

Auch 3Sat hat etwas zu bieten: "Neues", mit der Internet-Seite "http://www.3sat.com/neues.htm" - nachdem eine der letzten Sendungen das Thema "Senioren im Internet" aufgegriffen hatte, hier einige Links zu diesem Thema:

Die beste, weil am übersichtlichsten gestaltete Startseite ist das "Seniorweb Deutschland"; - http://www.seniorweb.uni-bonn.de

Dort finden sich Infos zum Älterwerden - Themen, die Gesundheit, Rente, Absicherung betreffen - eine bunte Kontaktbörse und ein ordentliches Bündel Links:

http://www.Seniorennet.de

A>http://seniorweb.org (USA)

http://www.uni-ulm.de (Projekt Lill: Learning in later life, Universität für das dritte Lebensalter)

http://members.aol.com/rentnergr/index.html

http://home.t-online.de/home/Jschmidbauer/hompiur1.htm

Auch Suchmaschinen bieten spezielle Dienste für Senioren:

http://seniors.yahoo.com

http://www.rosenbach.com

Damit komme ich zur Rubrik: Nachträge und Aktualisierungen:

MOVADO e.V. ("Mobilität für alle! Nicht nur für Rollstuhlfahrer") aus Berlin hat nun eine eigene Domain: http://www.movado.de. Einer der wichtigsten Server für behinderte Menschen, mit eigener Mailing-List und allem Drum und Dran.

Kontakt: Behindertendorf Altenhof: http://www.ctcom.net/shg/behind_rollstuhl.html

nur shg: sh-gruppen in österreich!

www.paritaet.org/bvkm/ - spastiker-verein

Am 24. März startete eine Gruppe Münchner und Konstanzer Studenten, das Internet-Archiv www.hausarbeiten.de. Daraus soll eine riesige Fundgrube mit kostenlosen Hausarbeiten, Diplomarbeiten, Hausaufgaben, Rezensionen,

Aufsätzen, Magisterarbeiten usw. werden. Es mag noch ein bißchen zu früh sein - aber man darf ja mal hoffen, daß da auch Arbeiten zum Themen auftauchen werden, die uns etwas nutzen!

Individual HIV+ Support e.V. Frankfurt/M - http://www.hivnet.de

Patientenschutz e.V. Bremen - http://www.pev.org

Selbsthilfegruppen Sklerodermie in Deutschland e.V. - http://members.aol.com/SHGsklero/shgmain.htm

Selbsthilfegruppe für Epilepsiebetroffene Leipzig e.V. http://www.uni-leipzig.de/~bjung

Neurofibromatose - Arbeitskreis Berlin / Brandenburg - http://home.t-online.de/home/ch.krocker-berlin

Ich habe schon einige Male über die Informationsdienste für mobilitätsbehinderte Menschen geschrieben, und tatsächlich: es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Informationsdiensten über öffentlichen Nahverkehr. Die Hamburger haben immerhin versucht, auch die Interessen behinderter Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen, während dies beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (http://www.rmv.de) schlicht vergessen wurde! Doppelt peinlich, da bei der Eröffnung der SPD-Wirtschaftsminister Lothar Klemm und die CDU-OB Petra Roth einträchtig von "Mobilität für alle" redeten. Nun gut, nachdem dieser Punkt moniert wurde, versprachen die Ersteller Besserung. Skandalös jedoch: bis heute, immerhin ein halbes Jahr nach Eröffnung, bietet der RMV im Internet nicht einmal Informationen über die U- und S-Bahn- und Straßenbahnlinien, die für mobilitätsbehinderte Menschen benutzbar sind. Ist es denn so kompliziert, die paar Linien in so einen Internet-Auftritt einzubauen?

Wie man es besser macht, zeigt u.a. KOMM Münster - http://www.muenster.de/KOMM/ !

Eine spannende Sache ist der Stadtplandienst der "Kulturbox" - http://www.stadtplandienst.de

Der Stadtplandienst ist ein hausnummernscharfer interaktiver Stadtplan mit dem man in Hamburg, Muenchen und Berlin JEDE beliebige Adresse findet.

Der Dienst startet am 1.April und wir werden auch ein Objektinterface anbieten, mit dem man nach oeffentlichen Gebaeuden, Hotels usw. incl. Behinderteninformationen suchen kann.

Schließlich mal wieder ein paar spezielle Infos für Querschnittgelähmte:

Unter "http://www.Paranet.ch" findet man die Homepage der schweizerischen Paraplegiker-stiftung, unter

"http://www.orthopaediehd.de/" die Orthopädische Uniklinik Heidelberg (eines der großen deutschen Querschnitt-Zentren), und unter "http://bavaria-kliniken.de/kreischa" die Rehaklinik Kreischa (Querschnitt-Zentrum bei Dresden).

Die BAG C, Bundesarbeitsgemeinschaft der Clubs Behinderter und ihrer Freunde hat die Aufrufe für zwei Tagungen auf ihren Seiten veröffentlicht.

1.) Internettagung vom 30. April bis 4. Mai in Blossin bei Berlin

http://www.bagcbf.de/internet.htm

und

2.) Kostenvorbehalt ohne Ende,-ein hoher Preis für Selbstständigkeit! http://www.bagcbf.de/kosten.htm

Oliver Baer machte mich auf die von ihm betreute Seite zum Thema: "Wenn Behinderung zur Stärke wird" - http://www.strength.handicap.com - hin. Optik und Idee sind ja vielversprechend, die Strukturierung noch etwas diffus - aber am meisten vermisse ich (noch?) die Inhalte. Bislang lese ich vor allem "man sollte, man könnte, man müßte!

Natürlich ist auch der "Verkehrsclub Deutschland (VCD)" online. In seinem gedruckten Mitgliederheft finden sich immer mal wieder interessante Tips für Mobilitätsbehinderte. Aber online - unter http://www.vcd.org - ist da leider gar nix zu finden. Wieso eigentlich nicht?

AOL: Neues Forum "Handicap"

Der zweitgrößte Online-Dienst in Deutschland (nach T-Online) ist AOL, und neben dem Internet-Zugang hat AOL auch umfangreiche "eigene Inhalte" - das sind themenorientierte Seiten, die nicht allgemein über Internet, sondern nur von AOL-Kunden aufgerufen werden können.

Auch die technische Seite entspricht nicht ganz dem Internet-Standard. Hier herrscht nicht die grenzenlose Vielfalt des Internet, was einerseits bedeutet, daß der Umfang dieser Seiten begrenzt ist, andererseits sind sie relativ einheitlich aufgebaut, haben ein festes Schema - dies erleichtert die Orientierung.

Bei AOL hatte es schon früh ein Forum "Begegnungen" gegeben, das von einer kleinen Gruppe engagierter Leute in Hamburg betrieben wurde ("Euromail"); es gab nicht viel Inhalte, und die Nachrichten waren "dünner" als in Newsgroups. Aber der Erfahrungsaustausch funktionierte, und zeitweise

waren die Mittwoch-Abend-Chats richtig spannend. Umso frustrierender, daß im Sommer 97 dieses Forum dichtgemacht wurde. Man kann nun nicht gerade behaupten, daß AOL nur noch auf Fitneß, Yuppies und ähnliche Zielgruppen setzen würde, wobei behinderte Menschen stören würden, nein, es war viel profaner: es ging um Geld - AOL war wohl der Meinung: Das geht auch billiger. Also warb man engagierte Nutzer an, die gegen begrenzte Unkostenerstattung einen AOL-eigenen Bereich zum Thema aufbauen sollten.

Inzwischen ist es soweit: seit Ende März gibt es bei AOL den Bereich "Handicap"

Dort gibt es u.a. eine Rubrik "Reisen", und ein Fenster hat den Titel "Internet-Adressen: Reisen". Aber leider gibt es da nur einen einzigen Link - Tauchreisen für Behinderte - http://www.diversionoz.com/iahd.htm (Handicapped Diving - German).- Als ob es im Internet noch gar nichts gäbe!

In einem "Software-Archiv" gibt es u.a. eine Datei zum Thema Adressen ("Suchbegriffe: Adressen, Beratungsstellen, Handicap-Reisen") zum Herunterladen.

Könnte hier also mehr enthalten sein als bei der Forums-Rubrik? Immerhin eine Liste mit 13 Reiseveranstaltern. Bekannte fehlen (Grabowski tours), andere gibt es nicht mehr bzw. wurden umbenannt (Zellmer). Da ergibt jede Suchmaschine bessere Treffer, denn es gibt durchaus eine Reihe von Angeboten auch im Internet.

Natürlich mag man jetzt einwenden, ich sei wieder mal ein bißchen streng - dieser Bereich "Handicap" sei doch noch so neu, und es seien doch nette Menschen, die zur Mitarbeit einladen. Hm... erstens arbeiten die AOLer seit letztem Sommer daran, und zweitens ist es eher eine Schande, wenn AOL die vier "Scouts" wie Ehrenamtliche abspeist. Ein so großer Laden könnte sich ruhig zwei oder drei professionelle Redakteure leisten, wenn ihm so ein Thema wirklich wichtig wäre! Oder machen die dem Profit zuliebe auch Homebanking mit Amateuren?

Bioethik beschäftigt Behindertenverbände, Presse, Medien... "erst wenn die letzte Erkrankung durch Forschung besiegt ist werden sie wissen, daß es eine leidensfreie Gesellschaft nicht gibt." schreibt die BAGH auf ihrer Homepage. Die "Liste der Bioethiker aus dem Bundestag" findet sich dort unter http://selbsthilfe.seiten.de\sonstiges\probioe.htm: säuberlich aufgelistet finden sich da sämtliche Bundestagsabgeordnete, die bioethische Versuche an Menschen nicht ausschließen, mit Name, Adresse und E-mail sowie Wahlkreis, fein säuberlich nach Parteien sortiert. Erfreulich: "Bündnis90/Die Grünen-Fraktion: nicht eine Abgeordnete/ein Abgeordneter hat unterschrieben. - Gruppe der PDS: nicht eine Abgeordnete/ein Abgeordneter hat unterschrieben". Hier ergeben sich konkrete politische Möglichkeiten, denn mit einem Mausklick kann jeder Besucher den Herrschaften in Bonn die Meinung mitteilen...

Last not least eine neue Sache zum Thema Hilfsmittel.

Das Medizinproduktegesetz (MPG) vom 2. August 1994 schreibt in § 36 (siehe Anhang) die Einrichtung eines Informationssystems über Medizinprodukte vor. Das "Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information" (DIMDI) hat hierzu Materialien und Datenbanken aufgearbeitet und ins Netz gestellt. Die Kurzbeschreibungen der Datenbanken bei DIMDI ist eine lange Liste, die von Arzneimitteln über Presse-Informationen, eine englischsprachige Datenbank zum Thema Bioethik bis hin zu einem Erfassungsprogramm für gefährliche Vorkommnisse mit technischen Hilfsmitteln!

Spätestens im Juni diesen Jahres müssen auch Hilfsmittel (egal, ob Rollstühle oder medizinische Apparate) im Rahmen der CE-Konformitätserklärung auch eine Risikoabschätzung vorweisen, und wenn es dann tatsächlich eine zentrale Datenbank über Vorkommnisse geben wird - dann wird das sicher ein wesentlicher Fortschritt für den Verbraucherschutz behinderter Menschen. Lassen wir uns mal überraschen, was DIMDI in einem halben Jahr zu bieten hat...

Hannes Heiler

Dieses Online-Tagebuch steht - wie auch die früheren Beiträge - unter BM-Online (http://www.behinderte.de) mit allen Internet-Adressen bereit; interessierte LeserInnen brauchen also keine Adressen abzutippen, sondern nur dort die Links anzuclicken.