Mein Online-Tagebuch - 4

Heft 6/97(Mitte November 97)

Zuerst wieder die Nachträge.
Zum Thema Schmerz gibt es einige neue bzw. ausgebauten Adressen:
Painweb, eine große Site zum Thema Schmerz. Gemausert hat sich auch die Homepage des Schmerztherapeutischen Kolliquiums;
bemerkenswert sind noch
schmerztherapeutisches Kolloquium Iserlohn und
Gemeinschaftspraxis Dr. Nolte, Wiesbaden
Schließlich hat der Südwestfunk parallel zur Sendung eine gute Seite unter
südwestfunk: Hallo, wie gehts? mit thematischen Beiträgen.
Schließlich gibt es zu Themen wie Akupunktur und TNS-Geräten eine gut strukturierte Seite der Firma
Schwa-Medico
Am 1.Oktober 1997 fand vor dem Justizausschuß des amerikanischen Kongresses eine Anhörung zum Thema Cannabis als Medizin statt.
Unter Grinspon.Html können deutschsprachige Übersetzungen der folgenden Texte abgerufen werden: Eine Zusammenfassung der Ereignisse (Auszug aus NORML News) sowie der Text der Aussage Dr. Grinspoons, übersetzt von ralf@ark.franken.de (Ralf W. Stephan)

Zwei Nachträge gibt es zum Thema "behinderte Studenten":
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen (BHSA) e.V. hat ihre BHSA-Infos auf den "Selbsthilfe-Seiten".
Außerdem wies mich Brita Kortus darauf hin, daß ich für die Uni Marburg eine falsche Internet-Adresse hatte. Korrekt ist folgende Adresse für die Beratung und Studienunterstützung behinderter Studierender. Danke für den Hinweis.

Das Urteil des Verfassungsgericht zur Aussonderung behinderter Schulkinder hat hohe Wellen geschlagen; Informationen, Presseerklärungen und Diskussion hierzu lief im Internet auf allen Ebenen.
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf die Newsgroups, in denen solche Beiträge in Windeseile verbreitet wurden, vor allem "cl.behindert.allgemein", "de.soc.handicap" und "maus.soc.handicap".
Auf BM-Online haben wir die wichtigsten Dokumente zusammengetragen, und auch der Verein Behinderte in Gesellschaft und Beruf e. V (BiGuB) hat eine Protest-Homepage mit Diskussionsseite gegen das Verfassungsgerichtsurteil eingerichtet.
Schließlich hat die "Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen, Eltern gegen Aussonderung" eine Mailing-List: "gemeinsam leben, gemeinsam lernen" eingerichtet.
Was ist nun wieder eine Mailing-List? Nun, das ist ein automatischer Post-Verteiler: wer sich bei einer bestimtmen Adresse registrieren lässt, kann Mitteilungen per E-mail schreiben, und diese Mails werden dann automatisch an alle Adressen verteilt, die auf dieser Liste stehen.
Zum Anmelden schickt man eine (ansonsten leere) E-mail an "listserv@fto.de" mit der Nachricht "subscribe Gemeinsam-Leben", und um einen Beitrag abzuschicken, schreibt man eine E-Mail an "gemeinsam-leben@fto.de".
Will man diese Mailing-List wieder kündigen (also von dem Verteiler gestrichen werden), so schreibe man an dieselbe Adresse eine Mail mit dem Inhalt "unsubscribe Gemeinsam-Leben".
Der Listenbetreuer Ralf Hesse - rhesse@fto.de - betreibt übrigens auch die Homepage der "BAG Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen - Eltern gegen Aussonderung".
Am Rande möchte ich anmerken, daß es solche Mailing-Lists für verschiedene Themen gibt, die nach demselben Muster funktionieren.

Die REHA ist gerade vorbei, also schauen wir mal, was es zum Thema Hilfsmittel gibt.

Beginnen will ich mit Saninet - denn hier wird manche Entwicklung deutlich, und dahinter steckt derselbe Hersteller wie beim offiziellen Messekatalog der REHA '97, den es für 10,-DM zusammen mit dem Katalog aus Papier gab.
Immerhin gab es den Messekatalog auch online ( REHA International ); wer auf der Messe war und die eine oder andere Firma noch einmal anschreiben will, ist damit gut bedient;
wer aber eine vollständigere Übersicht über die Anbieter von Hilfsmittel oder gar über die einzelnen Geräte braucht, der wird um REHADAT nicht herumkommen. Beim Umfang dieser Datenbank muß allerdings jeder selber überlegen, ob es nicht besser ist, die (sowieso kostenlose) CD-ROM zu bestellen statt online zu recherchieren.
Doch zurück zu SaniNet.
Im Grunde handelt es sich um eine Plattform für einige Hersteller und Sanitäthäuser, die jeweils mehr oder weniger oberflächliche Produktübersichten bieten, garniert mit ein paar Informationen.
Die Vitalen (dazu gehört u.a. REHAvital) sind dabei, allerdings werden vor allem freundliche und smarte Werbesprüche gemacht und es ist schon fast verdächtig, wie wenig konkrete Informationen da gegeben werden: keine Angaben zu Adressen von angeschlossenen Hilfsmittelhändlern, keine Angaben zu den Hilfsmitteln, die diese Gruppe vertreibt; erinnert man sich dann noch, daß RehaVital einer der Vertragspartner der BEK ist, so wird das ganze doppelt dubios.
Leider wie so oft: viel formaler Aufwand, viel Optik und Werbeschnickschnack - aber wenig dahinter. Wenn die praktische Hilfsmittelversorgung genauso aussieht, dann gute Nacht!
Immerhin für Insider interessant: das MPG (Medizinproduktegesetz) wird in seiner Bedeutung für Hilfsmittel bei RehaVital erkläutert; wenn dieses Gesetz wirklich stramm angewandt werden wird, dann kann es für den Benutzer der Hilfsmittel einen Fortschritt in Sachen Verbraucherschutz bringen, oder anders ausgedrückt: Es wird ab Sommer 98 schwerer werden, Schlampereien bei Konstruktion und Produktion von Rollstühlen oder anderen Hilfsmitteln zu vertuschen.
Erstaunlich: das Sanitätshaus Poss aus Trier hat sich sehr viel mehr Mühe gegeben, eine hilfreiche Homepage zu basteln.
Das rehateam Gießler (Albstadt) präsentiert immerhin einen Überblick zu den von ihnen vertriebenen Produkten und einer Seite zum Thema Wohnraumanpassung.
Ziemlich lieblos und ungeprüft wurden dann aber einige Links zusammengestellt - z.B. zur ausschließlich englischsprachigen Site von Otto Bock ; kann es sich die Rollstuhl-Abteilung eines so großen Konzerns, die einmal in die Fußstapfen von Sopur treten wollte, wirklich leisten, weder ein deutschsprachigess Angebot noch Produktinformationen zu bieten?
Umso verwunderlicher ist das, als die deutsche Otto Bock-Rollstuhlfirma an Händler eine ausgefeilte Bestellsoftware für Rollstühle verteilt. Wieso gibt es so etwas nicht auch im Internet für die Kunden?
Wo Otto Bock noch damit argumentieren kann, ein weltweiter Konzern zu sein, gelten solche Ausreden bei Alber und Aquatec wirklich nicht. Auch wenn beide Firmen von der TA Gesundheit aufgekauft wurden, sind aus schwäbischen Mittelständlern Elemente eines deutschen Konzerns geworden, aber wenn sich TA Gesundheit nur eine magere, englische Homepage zustande bringt, dann hätten sie es ja gleich lassen können!
Auch Thomashilfen, im "richtigen Leben" ein nicht gerade kleiner Hilfsmittel-Anbieter und -Importeur, leistet sich eine (wenn auch deutschsprachige)Homepage, die zu den weniger brauchbaren gehört: 3 Produktneuheiten, Katalogbestellen - das wars!
Da hat ja ETAC früher im Sortiment von Thomashilfen, heute mit einem selbständigen deutschen Ableger, mehr zu bieten (ich kann zwar wirklich kein Schwedisch, aber ETAC's Stammsitz ist nun mal in Skandinavien).
Etac bringt immerhin eine Kurzbeschreibung der Produkte mit je einem Bild sowie eine Adressenliste der nationalen Vertriebspartner.
Das Sanitätshaus Beuthel in Wuppertal bringt immerhin eine nette seite "Hilfsmittel für die Reise", und Nutzwert hat auch die Seite über die neuen Zuzahlungsregelungen der Krankenkassen. und "Hilfsmittel im Haushalt".
Auch die Links von Beuthel sind gut sortiert - u.a. stieß ich da auf den Hinweis zum "Ortho-net"; das ist eine Site für Orthopäden, für die man erst eine Registrierung mit Paßwort beantragen muß. Ich bekam sie auch, wurde aber gleich als "Dr.Heiler" angesprochen. Das dementierte ich dann lieber...
Als nächstes fand ich die Online-Version der "OT", der Zeitschrift Orthopädie-Technik mit einer lohnenden Anzahl von Beiträgen.
Komisch: “Rehateam” zeigt zwar bei der Palette angebotener Rollstühle zwar Kategorien (Kinder-, Aktiv-, Elektro-Rollstühle) verweist aber weder auf Hersteller noch auf die einzelnen Modelle - das macht auch keinen guten Eindruck.
Bei Beuthel gibt es - last not least - sogar eine Liste der Lieferanten und Krankenkassen.
Nebenbei finde ich gleich zwei "Börsen" für gebrauchte Hilfsmittel - beim Unfallopfer-Hilfswerks Berlin und bei Fönix.
Amerika, du hast es gut!
Über die Zeitschrift NewMobility stieß ich auf die Homepage der US-Tochter des schwedischen E-Rollibauers PERMOBIL, und da werden - klar und übersichtlich! - die E-Rollis von Permobil gezeigt, und von da aus gelangte ich zu
"Colours by Permobil" - da werden die muskelbetriebenen Rollis derselben Firma gezeigt.
9 Modelle, darunter auch der "Boing!" - ein superleichter Rollstuhl mit vier unabhängig aufgehängten Rädern (hinten: Querlenker!)...
Aber bevor ich ins technische Schwärmen komme, zurück zu einem Lob: so konkrete Informationen, sauber gegliedert und internet-gerecht aufbereitet - das hab ich im deutschen Sprachraum erst selten gesehen:
bei mfh (die inzwischen neben dem bekannten Artosy auch ein Notruftelefon und SICARE vertreiben)
und bei SORG .
Dritter im Bunde der positiven Beispiele sind die Balder - Elektrorollstühle.

Nun war ich schon einmal neugierig geworden auf den internationalen Hilfsmittelmarkt, also wählte ich die Suchmaschine Lycos an und tippte einfach den Suchbegriff "Wheelchair" ein.
"8735 relevante Ergebnissen" bekam ich aufgelistet, natürlich in Häppchen von jeweils 10 Verweisen. Die Nacht wurde lang, aber auch kurzweilig...
Als erstes stieß ich auf THE DEFINITIVE MANUAL WHEELCHAIR BUYING GUIDE
Und siehe da: Hier finde ich den Link zu SunriseMedical (hier: Quickie), und von dort wird man für Detailfragen zu einzelnen Rollstuhl-Modellen weiterverwiesen an Quickie Designs - doch leider: mein Browser meldet mal wieder: "Cannot retrieve..." (Hab diese Adresse nicht gefunden...) - keine Ahnung, was das soll! Auch nach mehreren Versuchen kam ich damit nicht weiter.
Immmerhin stoße ich bei den nationalen Untergliederungen von Sunrise auch auf das, was von Sopur übrig ist.
Vom "wheelchair buying guide" gibt es auch Links zu "Colours of permobil" und zum "Action"-Programm von Invacare; von der Hauptseite von INVACARE gelangt man zu einer veritablen Invacare-Datenbank, die nicht nur die einzelnen Modelle, sondern sogar die Einzelteile enthält.
Wie man eine informative Sanitätshaus-Seite bauen kann, zeigt der MWBG: http://the-outlet.com/free.html mit schönen kategorien: falt-rollis, starrrahmen, e-rollis, kinder-rollis, kissen etc.
Von Outfit führt wiederum ein Link zu RKG - u.a. mit dem "RKG cyber showroom".
Natürlich gibt es im Internet auch Everest+Jennings, die "Mutter aller Faltrollstühle.
Bei RehabDesigns gibt es - außer den "TopEnd"-Rollstühlen auch eine umfassende Hersteller-Liste, von Roho bis DragonSystems...(leider alles nur auf den US-Markt bezogen, und so manche Seite ist eigentlich noch "under construction"!)
Was sehen meine Augen beiGerald Simmons Wheelchairs ? Den Swede "cross", "Elite", "Act", also die Modellpalette von ETAC...
Eher unbekannt sind hierzulande die E-Rollis von 21st Century Scientific; immerhin gibt es diese Flitzer auch in Deutschland.
Ein Händler ist wiederum The WheelchairShop eine sehenswerte Site, mit süßem Bildchen!
Unter dem Link "Voice activated Power Wheelchair" stoße ich auf Katalavox, die Spracheingabe zur Rollstuhl-Steuerung von Martine Kempf. Leider ernte ich auch hier mehrfach "Cannot retrieve..." - aber das dürfte eher an überlasteten Internet-Leitungen liegen.
Von Mikes page of disabilities & related links stoße ich auf die disABILITY resources on the internet, und da gibt es allein 14 Links zum Thema "Clothing" (angepaßte Kleidung) - aber das ist ein ganz anderes Thema, das ich ein anderes Mal untersuchen werde.
ABLEDATA "the Nat'l Database of Assistive Technology" ist das amerikanische Pendant zu Rehadat - mit ZIP-Datei der Hersteller und FAQ (ein Dokument mit "Frequently Asked Questions" - häufig gestellten Fragen, und natürlich mit den Antworten darauf; FAQs gibt es im Internet recht häufig, und fast immer lohnt es sich, sie aufmerksam zu lesen).
Interessant sind auch die "Consumer Guides": Hier gibt es einige Dokumente, die sich am ehesten als "Verbraucherinformationen" zu einzelnen Themenbereichen übersetzen lassen:
•Guide to Wheelchair Selection
•Office Equipment for People with Visual Disabilities
•Guide to Accessible Housing
•Assistive Technology for People with Spinal Cord Injuries
Abledata enthält Informationen über 23.000 Produkte, und beim ersten Stöbern scheint diese Datenbank relativ leicht zu bedienen. Schade nur, daß - zumindest bei meinen Versuchen - keine Links auf Internet-Seiten zu den Anbietern dieser Produkte existieren.

Nun gut, auch in Amerika wachsen die Bäume nicht in den Himmel, und wenn auch hierzulande das Internet noch herzlich wenig zum Thema Hilfsmittel bietet, so ist hier immerhin die Kostenübernahme für Hilfsmittel besser als in USA. Doch wie lange noch? Auf der Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft der CBF's - BAGC e.V. lese ich, daß die Barmer Ersatzkasse die Hilfsmittel-Versorgung stark eingeschränkt hat, und es ist nur eien Frage der Zeit, bis auch andere Kassen zu "Fallpauschalen" und ähnlichen Beschränkungen übergehen. Die "Versicherten" erfahren davon kaum etwas, ihnen wird solche Einschränkung im BEK-Mitgliederblättchen als Fortschritt untergejubelt. Auch auf der Internet-Seite der BARMER sind eher Werbesprüche als Informationen zu finden.
Sind behinderte Menschen keine Zielgruppe mit einem Recht auf umfassende Informationen?

Hannes Heiler E-mail: HHeiler@aol.com


PS: Nachdem ich meinen Internet-Beitrag über Hilfsmittel schon abgeschlossen hatte, fiel mir auf, daß ich über die großen deutschen Hilfsmittel-Hersteller eigentlich noch gar nichts gefunden hatte. Also gab ich in "Fireball.de" das Suchwort "Meyra" ein. Unter den 15 Fundstellen waren ein paar technische Hinweise, ein paar Kleinanzeigen ("Zweite Hand"), und dann dies:
IG Metall: 164 Beschäftigte in Kiel und Kappeln
IG Metall: 164 Beschäftigte in Kiel und Kappeln sollen entlassen werden Marktschwäche lähmt Ortopedia Kiel - Die Ortopedia GmbH (Kiel) will nach Angaben der IG Metall an ihren Standorten Kiel und Kappeln 164 Beschäftigte und damit ein Drittel der Gesamtbelegschaft entlassen.(...)" http://www.kn-online.de/htm/aktuell/lok/c-ortopedia.html - 4.8.1997

Doch am nächsten Tag fand ich sie gleich beide: MEYRA und Ortopedia; Ortopedia versucht sich sogar mit Reisen - allerdings mit dem komischen Titel "Ortopedia top-fit-reiseclub" was es auch immer mit diesem Topfit auf sich haben mag...


Hannes Heiler
BM-Online