Mein Online-Tagebuch - 2


Erstaunlich, wie viele behinderte Menschen das Internet inzwischen ganz selbstverständlich benutzen - und wie einfach es ist, Fragen zu stellen oder Neuigkeiten mitzuteilen.

Daher will ich als erstes Änderungen und Ergänzungen berichten.

Die "Lebenshilfe hat einen neuen Untertitel im Vereinsnamen, aber auch eine neue Internet-Adresse:

Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. - Eine

Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung, für ihre Familien, für

Fachleute und Freunde. http://www.lebenshilfe.de (übrigens gesponsort von EUNet).

Die DGM - Deutsche Gesellschaft f. Muskelkranke - hat ebenfalls eine neue, einfachere Adresse: http://www.dgm.org - und ist so viel einfacher anzusteuern.

Aber auch formal hat diese Site eine Kur mitgemacht, die zu einem ruhigeren, einheitlicheren Erscheinungsbild geführt hat. Die Beiträge sind gut erschlossen, und wenn nun noch mehr Substanz erschlossen wird, wird die DGM zu einer erstklassigen Adresse.

Auch die Informationen über Sachsen von Ute Müller (Direktzugriff: http://www.dgm.org/users/Ute%20Mueller/index.htm ) sind ausgebaut worden - sie sind nicht nur für behinderte Menschen in Sachsen, sondern auch für Sachsen-Besucher sehr hilfreich.

A propos Stadtführer: unter http://www.dias.de/bis ist eine ziemlich umfassende Liste der Städte zu finden, in denen es Stadtführer für Behinderte gibt, incl. der jeweiligen Bezugsadressen.

Erfreulich ist, in welchem Umfang es inzwischen Infos von und für behinderte Studenten gibt - selbst der RCDS (www.rcds.de/sozial-info/soz05.html) hat einen Ratgeber zum Thema "Sozialhilfe für behinderte studenten" gebaut. Sehr löblich, gut strukturiert, allerdings inhaltlich manchmal ein bißchen knapp, und das dann auch noch zu Lasten des Betroffenen. Ein Beispiel: Kfz-Hilfe für behinderte Studenten gibt es im Rahmen der Eingliederungshilfe (§ 40 BSHG). Aber es ist nicht korrekt, daß ein Auto nur den behinderten Studenten finanziert würde, die selbst fahren können und dürfen - wer z.B. sowieso in großem Umfang bezahlte Pflegekräfte hat, kann sehr wohl ein Auto von der Sozialhilfe bekommen um sich darin zur Uni fahren zu lassen. Tja, neben HTML-Kenntnissen sind für ein solches Vorhaben eben auch ein paar Rechtskenntnisse nötig! Auch bei manch anderem Rechtsleitfaden im Internet habe ich das Gefühl, daß sie noch lange nicht einem gedruckten Leitfaden a la "Leitfaden für Behinderte" (FH Frankfurt) oder einem der passenden dtv-Rechtsratgeber das Wasser reichen können.

An den meisten Unis gibt es Behindertenbeauftragte, Referenten beim ASTA o.ä. - aber die Adressen sind ziemlich verstreut und eher zufällig zu finden. Daher will ich hier die Infos ausnahmsweise nicht kommentieren, sondern wenigstens mal eine größere Anzahl davon zusammenstellen. Denn was nützt einem behinderten Studienanfänger die tolle Information über die Situation an der Uni Bremen, wenn sein Studienplatz nun mal in Wiesbaden ist? Und meist gibt es ja noch eine E-mail-Adresse zu jeder Hochschule, wo ich weiterfragen kann.

http://www.uni-kassel.de/pvabt2/studieren_mit_behinderungen.html - Sehr übersichtlich, auch für behinderte Studenten die nicht in Kassel sind.

http://www.uni-duisburg.de/PV/SCHWB/home.html

http://www.rz.hu-berlin.de/studium/beratung.html" - Beratungsangebote

http://www.ub.fu-berlin.de/ub/behind.html

http://www.uni-hamburg.de/~studienb/welcome.html -Zentrale Studienberatung der Universitat Hamburg

http://www.ruhr-uni-bochum.de/studienbuero/behin.htm

http://www.urz.uni-heidelberg.de/stud/fsk/referate/soziales/sozhb/behinder.htm

http://www.uni-marburg.de/dir/UNI/STUDWERK.HTML

http://www.scc.hab-weimar.de/SWERK/behin.html

http://medsun08.uni-muenster.de/fachschaft/infos/erstseminfo/handicap.html

http://www.zfn.uni-bremen.de/uni-bremen/handicap/

http://www.iud.fh-darmstadt.de/iud/wwwiud/pages/formalia/studien2.htm

http://www.uni-freiburg.de/univ/3w/service/pre/unimagazin/brosch595.html

http://www.uni-muenster.de/Dezernat2/muz/muz62-31.htm

http://www.uni-wuppertal.de/institute/dez2/handicap/handicap.html

http://www. Heim2.tu-clausthal.de/projekt/soziales/behindert

Insbesondere die Homepage von Clausthal ist liebevoll gemacht - der Unterschied zwischen engagierten Enthusiasten (hallo Otti!) und sog. Profis ist im Internet auf Schritt und Tritt zu spüren. Otti ist einer der ersten Sorte und bastelt eifrig an Layout und Inhalt.

Durch Zufall stieß ich auf die Homepage von Miroslav Trupl (http://members.aol.com/mirekt1/ ) - er ist seit 1994 krebskrank und hat sich sehr intensiv mit den Begleit- und Folgeerscheinungen auseinandergesetzt und als eine Konsequenz eine Homepage gestrickt. "Jedesmal, wenn ich bei meinen Ärzten wartete, hoffte ich, jemanden zu treffen, der ähnlich betroffen ist, um mit ihm Erfahrungen auszutauschen. Es gelang jedoch vielleicht nur zweimal. Mit der Zeit kam ich zu der Erkenntnis, daß nur wenige über ihre Krankheit offen sprechen können, und sollte diese etwas Unangenehmes oder Peinliches mit sich bringen, wurde es einfach verschwiegen. Inkontinenz oder ähnliches Hendicap zuzugeben? Das geht doch nicht. Und vor allem, wir sitzen doch im Warteraum, wo uns viele andere hören können.

Hier im Internet tritt jeder auf gewiße Weise anonym auf. Jeder, der betroffen ist und Hemmungen hat, über seine Probleme offen zu reden, kann hier darüber lesen und schreiben so viel er will. Sein Gesicht muß er dabei aber nicht zeigen. Ich habe vor, über meine eigenen Erfahrungen und die der anderen (sollte sich jemand melden) zu schreiben bzw. weiter zu geben. Dies sollte der Inhalt meiner Homapage sein." Er schreibt über die Chemotherapie, über Schmerzen - aber auch über seine Hobbies. Ich kann nur sagen: Hut ab! Das ist aussagekräftiger als vieles Organisierte!

Auf der Link-Seite von "Movado" in Berlin las ich:"Homepage von Oli, ein internetaktiver Rolli" und fand die nette kleine Site eines Tetraplegikers - http://home.rhein-zeitung.de/~oniedere/ . Ob seine erotischen Fotos als gepackte Datei ladenswert sind, mag jeder selbst entscheiden, mein Fall ist diese Art von Porno nicht - aber wer Oli's Ankündigung vorher gelesen hat, darf sich hinterher nicht beschweren. Lesenswert sind aber seine Hinweise zu den Themen "Abführen" und "Fingerfunktion" sowie sein kleiner Bericht über den Umbau seines Autos.

A propos Autos: zwei bekannte Auto-Spezialisten sind inzwischen auch online.

Da ist zum Einen die "REHA-Gruppe", - http://www.reha.com - neben der obligatorischen Selbstdarstellung gibt es eine kleine Liste mit den Produkten sowie der Hinweis auf die Möglichkeit eines angepaßten Fahrschul-Fahrzeuges (page4.htm). Auch eine sehr klare Wegbeschreibung ist eingebaut.

Zum anderen das "mobilcenter Zawatzky" - http://www.mobilcenter.de.

auch wenn diese Site noch relativ wenig konkrete Angaben zu den einzelnen Produkten enthält (keine Abbildungen, keine einzelne Produktbeschreibung), so ist sie doch sauber gegliedert und gibt einen kompetenten Überblick. Die Produktpalette ist jedenfalls weiter aufgefächert als bei REHA, den papiernen Firmen-Katalog ersetzen beide Web-Auftritte nicht. Immerhin hat Zawatzky ein gut geplantes e-mail-Formular, in dem die Ausgangssituation ziemlich gut erfaßt wird.

Auch ein Angebot f. elektronische Hilfsmittel fand sich: "Karin Weirich Informationstechnik für Behinderte" (http://members.aol.com/KaWeirich/menu.html) - Sprach- Ein- und Ausgaben, Braillezeile, außerdem Links zu EDV-Anbietern und sonstige ineressante Links für Blinde und Sehbehinderte.

Im Bereich Sport tut sich einiges. Eine breite Übersicht zum (Rollstuhl- aber auch Fußgänger-) Sport in Berlin gibt es unter http://userpage.fu-berlin.de/~berglist/angeb.html ; und in München gibt es sogar "Taekwon Do für Behinderte" http://www.bl.physik.tu-muenchen.de/~k2/vhs/node6.html

Last not least will ich die Website der "Kultur- und Sportgruppe Rhein-Neckar e.V.": http://www.av-media.com/reha-net/ erwähnen, auch wenn sie eng mit Werbung verquickt ist.

Das Internet lebt in Bildern. Und selbstverständlich: sie haben oft mit Erotik zu tun. Ich will heute nicht auf kommerzielle Seiten a la Beate Uhse oder Playboy eingehen, vielmehr möchte ich auf zwei sehr ästhetische Foto-Projekte hinweisen (in solchen Situationen würde ich mir einen doppelt so großen Monitor wünschen...!):

Trotz 'dem Augenblick - "http://www.colonia.de/photo/gallery/diart/text1.htm" -

diese Fotoausstellung von Roger Diart ("Dürfen Behinderte erotisch sein?") gibt es schon bald 1 Jahr, aber sie gehört immer noch zu den ästhetisch anspruchsvollen Beispielen.

Ebenfalls sehenswert ist die Site von Horst Werner, dem Vorsitzenden des AK künstlerische Aktfotografie unter dem Titel "Die behinderte Lust an der Deutschen Einheit. Ein symbolischer Spaziergang durch das historische Zentrum Berlins am 3. Oktober 1995" (http://www.icf.de/aka/horst/horst.html).

Zum Thema Sexualität ist "Pro Familia" im "richtigen Leben" eine gute Adresse - zumindest für behinderte Menschen ist aber ihr Internet-Auftritt eher enttäuschend. Unter www.profamilia.de findet sich - recht unspannend - eine reine Verbandsdarstellung. Etwas hilfreicher, wenn auch ohne den leisesten Bezug zum Thema behinderte Menschen: www.profa.de/sextra.htm (erstellt von der Pro Familia Baden-Württemberg).

Sexualität und behinderte Menschen kommen immer wieder in den beiden Magazinen "WahreLiebe" und "Liebe Sünde" vor, und einzelne Infos gibt es auch in ihren Web-Seiten; von Vertiefung kann allerdings kaum die Rede sein. www.vox.de (WahreLiebe), www.liebe-suende.de ("Liebe Sünde" auf Pro 7)

Eigentlich finde ich es erstaunlich: im geschützten Rahmen, also per E-mail und Chat, ist Erotik und Sexualität von und mit behinderten Menschen immer wieder ein wichtiges Thema. Selbst in deutschen Newsgroups wird gelegentlich sehr differenziert darüber getippt, und auf Englisch gibt es eine eigene Newsgroup (alt.support.disabled.sexuality). Doch gerade in der bunten Bilderwelt des angeblich so sexuell eingefärbten WorldWideWeb sind erotische Bilder, Vorstellungen etc. im Zusammenhang mit behinderten Menschen noch die Ausnahme. Ob es allerdings ein Fortschritt ist, daß in USA bereits eine Partnervermittlung für behinderte Russinnen (http://www. frantana.com") online ist - das darf bezweifelt werden!

Hannes Heiler

PS: Ich habe diesen Beitrag Anfang Juli geschrieben. Selbstverständlich kann sich bis zum Erscheinen dieses Beitrags vieles geändert haben! Das Internet ist und bleibt ein schnelllebiges Medium, sodaß ein gedruckter Artikel nicht absolut aktuell sein kann. Ich bitte um Nachsicht, Information, Meinungsäußerungen, Fragen etc - am liebsten per E-mail an: HHeiler@aol.com