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Behinderten-Begleithunde


Prima Partner - Begleithunde für Behinderte

Als die Vizsla-Hündin Luzy auf die Welt kommt, ist noch nicht abzusehen, dass aus ihr einmal ein ganz besonderer Partner des Menschen werden würde.

Diese ungarischen Vorstehhunde werden als sogenannte Allroundhunde gezüchtet, aber meist an Jäger abgegeben. Luzys erstes Frauchen ist allerdings keine Jägerin, sondern selbst Hundezüchterin.

Margit Hehl bemerkt nämlich bereits nach kurzer Zeit, dass ihre Luzy sich mächtig langweilt. Kurz, die intelligente Hündin braucht eine echte Aufgabe, sie ist einfach kein Hund mit dem man nur zweimal am Tag spazieren geht. Zweiter Glücksfall für Luzy: Ihre Herrin kennt die Hundetrainerin Heidi Scherr aus dem nahen Homburg im Saarland. Heidi Scherr ist keine normale Hundetrainerin, die den Vierbeinern das gute Benehmen beibringt, wozu viele Hundebesitzer heutzutage selbst keine Zeit mehr haben. Heidi Scherr hat sich vor einigen Jahren dazu entschlossen, Beleithunde für Behinderte auszubilden. Zur eigenen Ausbildung ist sie erst einmal in die USA gefahren, da es in Europa damals noch keine Ausbildungszentren dafür gab.

Seither bildet sie Hunde aus, die Rollstuhfahrern zur Seite stehen und zu wirklich erstaunlichen Hilfsdiensten fähig sind. Die Hunde lernen, Licht- und Liftschaler zu betätigen, Türen und Schubladen zu öffnen und zu schließen, kleinste Gegenstände wie zum Beispiel Geldmünzen vom Boden aufzuheben, beim Ausziehen zu helfen, im Rucksack Gegenstände zu transportieren, den Rollstuhl eine kurze Strecke zu ziehen, auf Kommando Laut zu geben, um auf sich aufmerksam zu machen, und vieles mehr. Dazu sind sie natürlich bestens erzogen, sehr freundlich und verhelfen ihren Herrchen und Frauchen im Rollstuhl. zu neuem Mut und einem Stück Lebensqualität durch die neu gewonnene Unabhängigkeit von der Hilfe anderer.

„Behinderten-Begleithund" nennt man so ausgebildete Vierbeiner im Fachjargon. Und so ein Spezialhund soll Luzy nun werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Nicht jeder Hund ist für diese lebenslange Aufgabe geeignet. Heidi Scherr wählt ihre „Azubis" deshalb sorgfältig danach aus, ob sie gesund und menschenfreundlich sind, den Willen haben zu gefallen und einen ausgeprägten Spieltrieb besitzen. Einige Rassen wie Labrador und Golden Retriever sind in der Regel besonders gut geeignet. Doch auch Luzy besteht den Eignungstest, ja sie wird sogar zu einer besonderen Herausforderung für Trainerin Scherr.

„Vizslas sind unheimlich intelligent, lernen sehr schnell, und sind ähnlich wie hochbegabte Kinder schnell gelangweilt"', erzählt sie. Und Luzy macht dem Ruf ihrer Rasse alle Ehre. Während der rund sechs Monate dauernden Ausbildung zum Behinderten-Begleithund muss sich Heidi Scherr für Luzy ständig abgewandelte oder neue Übungen einfallen lassen, um der munteren, aufmerksamen Hündin gerecht zu werden. Wenn andere ihrer vierbeinigen Azubis das Training treu und brav noch nach der x-ten Wiederholung absolvieren, schaut Luzy bald wie eine gelangweilte Diva zur Seite und bringt ihr Missfallen durch ausgedehntes Gähnen zum Ausdruck. Doch Luzy ist intelligent und lernt sehr schnell. Heidi Scherr ist genauso wie Luzys erste Herrin begeistert von den Fähigkeiten der Hündin

Nach einem halben Jahr ist aus Luzy ein fix und fertig ausgebildeter Behinderten-Begleithund geworden, der ihrer neuen, jungen Herrin Kerstin, die von Geburt an an spinaler Muskelatrophie erkrankt ist, als hilfreicher Partner zur Seite steht. Margit Hehl. freut sich genauso über den Erfolg ihrer ehemaligen Hündin, die sie aus Überzeugung für den guten Zweck kostenlos abgab.

In Deutschland sind Begleithunde für Behinderte immer noch relativ unbekannt. Das liegt sicherlich daran, dass sie anders als Blindenführhunde nicht von der Krankenkasse oder anderen öffentlichen Stellen finanziell getragen werden. Die Anschaffung und Ausbildung, die mit rund 8000 Euro zu Buche schlägt, muss allein von dem Rollstuhlfahrer und seinen Angehörigen bezahlt werden.

Heidi Scherr hat dieses Problem so gelöst, dass sie als Trainern ehrenamtlich für den von ihr mit Freunden gegründeten und als gemeinnützig anerkannten Verein „Prima Partner" die Hunde ausbildet. So ist gewährleistet, dass es nicht von der Finanzkraft des Behinderten abhängt, ob er einen Begleithund bekommt. Einige, der von ihr ausgebildeten Hunde sind rein aus Spendengeldern finanziert, die jederzeit gerne angenommen werden. Aber Heidi Scherr bildet die Hunde nicht nur aus. Sie beleitet auch während der „Eingewöhnungsphase" das neue Team Mensch-Hund, besucht „ihre Teams" öfter und steht mit ihnen in ständigem Kontakt.

Marion Kawohl

Information zu Behinderten-Begleithunden:
Prima Partner e.V.
Alleestraße 16
66424 Homburg
Tel.: 06841 - 60627
Fax: 06841 - 60637
prima.partner@t-online.de
Spendenkonto
Kontonummer 123 53 66
Bankleitzahl 5919 0000
Saar Bank Homburg
aus: partizip 1/2002, seite 58


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