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Frankfurt: barrierefreier Nahverkehr


Konsequent

von Wolfgang Schubert

Umweltdezernentin Jutta Ebeling und Planungsstadtrat Edwin Schwarz streiten um einen Behindertenaufzug am Paulsplatz. Ebeling will die nur über steile Treppen erreichbare Toilettenanlage in diesem zentralen Platz Frankfurts an der Paulskirche für Rollstuhlfahrer zugänglich machen. Schwarz hat Bedenken, weil der drei Meter hohe Aufzugsturm den Platz verschandeln würde. Ästhetik gegen die Bedürfnisse der Behinderten - das ist eine peinliche Diskussion. Wer es ernst meint mit der Integration von Menschen mit Handicap, darf das Stadtbild nicht als Argument in die Waagschale werfen.

Mobilitätsbehinderten Menschen die Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat dies erkannt. Es mach wenig Sinn, nur einzelne Stationen mit Rampen und/oder Aufzügen auszustatten. Was nutzt es Rollstuhlfahrern, wenn an der Hauptwache oder Theaterplatz Aufzüge nach oben fahren, vor der eigenen Haustür aber nur Treppen in die Tiefe führen oder der Bus zur Barriere wird, weil er nur Stufen, aber keine Rampe hat?

Vor Jahren setzte die Behinderten-Politik der Stadt auf individuelle Hilfe. Wer trotz Behinderung mobil sein wollte, konnte sich eines Fahrdienstes bedienen. Mit speziell ausgerüsteten Autos wurden Rollstuhlfahrer abgeholt und zum Ziel gebracht. Dies hatte für viele aber den Charakter des Bittstehers. Man musste anrufen, um ein Auto bitten und war auf die Termingestaltung des Rolli-Service angewiesen.

Weil dies nur die zweitbeste Lösung war, entschieden sich Frankfurts Politiker diese Alternative: Der Nahverkehr sollte barrierefrei und behindertengerecht werden. Das Das fing bei den Fahrzeugen an und setzt sich konsequent bei den Stationen fort. Noch ist vieles zu tun. Doch die VGF ist auf dem richtigen Weg.

Aus: FR vom 10.1.2005, Seite 25


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