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Frankfurt: barrierefreier Nahverkehr


Millionenprogramm für Busse und Bahnen
Frankfurter Verkehrsgesellschaft kauft neue Fahrzeuge und baut U-Bahn-Stationen bis 2010 behindertengerecht um

von Wolfgang Schubert

Umbau von Stationen. Nachträglicher Einbau von Fahrstühlen. Neue Fahrzeuge mit behindertengerechtem Einstieg: Mit Millionenaufwand ertüchtigt die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) den öffentlichen Nahverkehr und räumt Barrieren für ältere und behinderte Menschen beiseite.

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember waren die fünf U-Bahnstationen „Heddernheim", „Heerstraße", „Oberursel Hohemark", „Waldlust" und „Kupferhammer" nach aufwendigen Umbauarbeiten wiedereröffnet worden. Die Bahnsteige sind nunmehr auf eine einheitliche Höhe von 80 Zentimeter angehoben. Jetzt können Fahrgäste dort fast niveaugleich in die Bahnen einsteigen. Die Bahn-steige selbst wurden zum Teil verlängert und erhielten einen ebenerdigen Zugang für Rollstuhlfahrer. Der Aufwand hatte seinen Preis: 10,66 Millionen Euro lnvestitionen und wochenlange Beeinträchtigungen für die Reisenden. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Kundschaft in diesem Jahr erwartet. Dann wird in den Sommerferien in Sachsenhausen voraussichtlich wochenlang gar keine U-Bahn fahren. U1, U2 und U3 enden in dieser Zeit am Theaterplatz. Für den Rest der Strecke müssen die Fahrgäste in Omnibusse umsteigen.

Grund ist der im Sommer anstehende Umbau der Sachsenhäuser U-Bahn-Stationen „Schweizer Platz" und „Südbahnhof" Sie sind der Knackpunkt des seit 1998 laufenden Programms zur Schaffung einer einheitlichen Bahnsteighöhe von 80 Zentimeter über Schienenoberkante im gesamten U-Bahnnetz. Dies ist der bundeseinheitliche Regelwert.

Weil auf Frankfurts erster U-Bahnstrecke über die Eschersheimer Landstraße nach Heddernheim und Oberursel - die so genannte A-Linie - anfangs auch Güterwagen der DB zu Fabriken in Oberursel gezogen wurden, durften die Bahnsteige maximal 56 Zentimeter und zum Teil sogar nur zwölf Zentimeter über den Schienen liegen. Sonst hätten die Güterwagons die Bahnsteige abrasiert. Die Folge für den Personenverkehr: Die Menschen mussten beim Ein- und Aussteigen eine Stufe von 30 Zentimetern überwinden.

Weil der Güterverkehr längst Geschichte ist, wurde die lästige Stufe auf den meisten Bahnhöfen inzwischen beseitigt. Im Frankfurter S-Bahn-Tunnel war das zumeist relativ einfach. Die Planer hatten das Ende des Cargo-Transports vorausgesehen und vorsorglich die Stationen auf der Altstrecke bis Theaterplatz einfach mit einem besonders dicken Schotterbett versehen. So konnten die Gleise an der Hauptwache oder am Grüneburgweg leicht um 30 Zentimeter abgesenkt werden - und schon passte die Einstiegshöhe wieder. Der Schotter wurde an einem Wochenende ausgehoben und das Gleis neu verlegt. Doch an der Schweizer Straße sowie am Südbahnhof gibt es kein dickes Schotter-bett, das abgetragen werden kann. Dort müssen die Bahnsteige von heute 56 Zentimeter Höhe auf künftig 80 Zentimeter angehoben werden. Weil die in beiden Stationen vorhandenen Rolltreppen und Aufzüge aber auf ein Bahnsteigniveau von 56 Zentimetern abgestimmt sind, wird der Umbau kompliziert. Als Lösung haben sich die Planer eine schiefe Ebene einfallen lassen. Sie wollen nur den vorderen, direkt an die Gleis reichenden Teil des Bahnsteigs aufpflastern. Zur Bahnsteigmitte hin schließt sich ein Gefälle an. So können Rolltreppen und Aufzüge an ihrem alten Platz bleiben.

Dennoch sind die Arbeiten aufwendig „Wir können die beiden Stationen während des Umbaus nicht anfahren", sagt VGF-Sprecher Bernd Conradsvoraus. Zwar sei der Arbeitsablauf im Detail noch nicht durchgeplant, doch zeichnet sich ab: „Wir werden vermutlich die sechs Wochen während der Sommerferien brauchen".

Die insgesamt 84 U-Bahnstationen entlang der sieben Frankfurter U-Bahnlinien sollen bis 2010 alle barrierefrei und behindertengerecht sein. Die Kosten dafür werden sich insgesamt auf etwa 80 Millionen Euro beladen. Erheblich mehr hat und wird die VGF noch für die Erneuerung des Fahrzeugparks aufwenden. Die Busflotte wird bis März 2005 komplett auf moderne Niederflurfahrzeuge umgestellt sein, zurzeit werden jeden Monat zwei neue Straßenbahnen angeliefert, und von 2007 an ist die Anschaffung von 130 neuen U-Bahnen vorgesehen. Der Gesamtauftragswert für die Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen beläuft sich auf rund 450 Millionen Euro.

Aus: FR vom 10.1.2005, Seite 25


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