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Frankfurt: barrierefreier Nahverkehr


Ärger wegen der Dauer-Baustelle vor der Haustür

Umbau der Endhaltestelle der U6 in Praunheim verzögert sich / VGF gibt stockendem Fluss der Gelder schuld

Mitte September sollte die neue, behindertengerechte Endhaltestelle der U-Bahn-Linie 6 in der Ludwig-Landmann-Straße fertig sein. Offenbar weil die Gelder nicht pünktlich frei gegeben wurden, kommt es zu einer mehrmonatigen Verlängerung der Bauzeit. Zum Arger der lärmgeplagten Anwohner.

Die Anwohner der Ludwig-Landmann-Straße im Bereich der Praunheimer Siedlung werden wohl noch einige Monate mit der Baustelle an der Endstation der Linie U 6 leben müssen. Seit Juni diesen Jahres wird die neue Endstation behindertengerecht umgebaut. Da heißt die Bahnsteige werden angehoben, so dass ein stufenloses Einsteigen in di U-Bahn-Wagen möglich ist. Im Zuge dieser Baumaßnahme, die mehr als eine Million Euro kosten wird, werden die Haltestellen Ebelfeld und Heerstraße zu einem etwa 150 Meter langen Endhaltepunkt mit Mittelbahnsteig zwischen den bisherigen Haltestellen zusammen gelegt. Doch es geht nicht so richtig voran, ist der Eindruck verärgerter Anwohner, die vom Baulärm genervt sind. Außerdem ärgern sie sich darüber, dass die Überdachung der Haltestelle Ebelfeld im Zuge dieser Neugestaltung bereits abgerissen worden ist und die Fahrgäste jetzt ‚ richtig im Regen stehen. Nach den Planungen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) sollte der „neue Bahnhof" schon am 18. September fertig sein. Dann wurde die Frist, so ist auf den gelben Infotafeln an den Haltestellen zu lesen, bis Ende Oktober verlängert.

Zweites Gleis im Frühjahr

Jetzt teilte VGF-Sprecher Peter Ruhr mit, dass wohl erst mit dem Fahrplanwechsel im Dezember die „halbe Haltestelle" in Betrieb genommen werden kann. Das zweite Gleis könne aus bautechnischen Gründen erst dann verlegt werden, wenn die derzeitige Haltestelle Am Ebelfeld aufgelöst ist, also im Frühjahr nächsten Jahres.

Für Klaus Weißbecker, der in unmittelbarer Nähe der Baustelle wohnt, „eine unmögliche Situation". Einmal werde Tag und Nacht da „herumgebaut<~ ohne dass sich wirklich etwas tue. Dann sehe man tagelang wieder keine Bauarbeiter. Zudem seien wegen der Bauarbeiten je eine Fahrbahn in der Ludwig-Landmannstraße in beiden Richtungen gesperrt. Das führe zu langen Staus mit stinkenden Abgasen direkt vor den Wohnungen, Rettungsfahrzeuge steckten mit lauten Tatütata oft mitten drin. Es könne wohl nicht sein, dass sich eine Bauzeit doppelt so lange hinzieht wie geplant, moniert Weißbecker. „Das kann sich keine Privatfirma erlauben." Und wenn die schweren Baumaschinen beschäftigungslos herumstünden, kosteten sie auch das Geld der Steuerzahler.

Peter Ruhr von der VGF macht für den schleppenden Gang der Bauarbeiten die Bürokratie verantwortlich. Die finanziellen Mittel für das Straßenbauamt - die Stadtentwässerung, die Straßenverkehrsbehörde und das Grünflächenamt sind noch nicht mit beteiligt - seien nicht rechtzeitig freigegeben worden. So komme es immer wieder zu Baupausen, „die uns auch nicht gefallen". Ähnliche Verzögerungen befürchtet Ruhr übrigens auch beim Umbau des Heddernheimer Bahnhofs.

„Völlig unverständlich" ist diese Argumentation für die SPD-Stadtverordnete Ursula Busch, Baustellen-Anliegerin, Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung und zudem Vorsitzende der Praunheimer SPD. Die Ämter hätten eine „ausreichend lange Planungszeit gehabt, um die Baumaßnahme zeitlich realistisch zu gestalten und den Geldzufluss im Vorfeld zu organisieren.

„Im Frühjahr werden wir wohl mit einem Osterbrunch den U-Bahn-Bahnhof Praunheim in Betrieb nehmen", meint eine Anwohnerin sarkastisch. „Wenn nicht Väterchen Frost für eine weitere Verzögerung sorgt."

aus: FR vom 27.Oktober 2004, S. 39


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