BM Online Behinderte Eltern
Titel:domino

Behinderte Eltern... selbstverständlich gibt es Menschen mit verschiedenen Behinderungen, die Kinder haben. Manche wurden schon vor Eintritt der Behinderung Eltern, andere danach, und wieder andere haben keine eigenen Kinder, aber sie haben Kinder adoptiert.
Als ich dann aber gefragt wurde, was es zum Thema im Internet gibt, erlebte ich eine Überraschung: es gibt zwar relativ viele Seiten zum Thema Behinderung und Eltern - aber in den meisten Fällen sind es nichtbehinderte Eltern, die ein behindertes Kind haben.
Hm...! dachte ich mir. So geht es ja nun auch nicht. Also schaute ich mal ins Archiv, und siehe da: es gibt ein paar sehr interessante Artikel. Und da mir das Titelbild des Themenheftes von "domino" besonders gut gefiel, habe ich es gleich mit hereingenommen.
Hier erst einmal die beiden Artikel über bzw. von Adolf Ratzka, der gleich zwei zusätzliche Hürden zu nehmen hatte: er ist auf Assistenz angewiesen, und seine Frau und er haben sich entschlossen, ein Kind zu adoptieren.
domino 4/97:Mit persönlicher Assistenz Kinder erziehen.  
domino 4/97:Der Weg zum Vater. Erinnerungen von Adolf Ratzka 
Die Adoption war eine Entscheidung von Familie Ratzka; daß auch lange Jahre querschnittgelähmte Männer Vater werden können - sowie die dabei zu machenden Umwege - beschreibt Lothar Sandfort im
Paraplegiker, Heft 2/95: Vater werden: Sperma im Joghurtbecher 

Beide Autoren haben übrigens auch eine Homepage:
- Lothar Sandfort und das Institut für systemische Beratung Behinderter ISBB - und
- Adolf Ratzka mit Independent Living Stockholm STIL.

Wenn ein Kind dann "da" ist, werden die Probleme nicht weniger. Hierzu gab es ein
bifos-Seminar: "Behinderte Eltern organisieren sich" im September 97.

Selbstverständlich gibt es nicht nur behinderte Väter. Zwei Frauen, die als Rollstuhlfahrerinnen alleinstehende Mütter sind, porträtierte Petra Rieth:
"Der lange Weg in die Selbständigkeit: Lisa Nagel" - und
"Behinderte Mutter und Ausländerin".

Natürlich gibt es nicht nur positive Beispiele. Oft genug berichten Betroffene, daß Ärzte bei behinderten Frauen eine Abtreibung für selbstverständlich halten und am liebsten eine Sterilisation gleich damit verbinden möchten, natürlich gibt es immer wieder den Erwartungsdruck, wenigstens eine humangenetische Untersuchung machen zu lassen. Doch es sind eben nicht alle Ärzte, die so ein Menschenbild haben; Lisa Nagel machte z.B. durchweg positive Erfahrungen mit den Medizinleuten - einige gaben sogar zu, einfach unsicher zu sein, ob und welche Auswirkungen Lisas Muskelschwund und ihre Skoliose auf den Verlauf der Schwangerschaft haben könnten.

Hier nicht aufgenommen sind die Beispiele von Dialyse-Patientinnen und Nierentransplantierten. Noch vor wenigen Jahren war "man" davon ausgegangen, daß Frauen mit dieser Behinderung kein Kind bekommen könnten; inzwischen ist das Gegenteil bewiesen und die Mediziner haben sogar schon einen Kriterienkatalog gestrickt, wann welche Indikatoren Gefahren für Mutter oder Embryo anzeigen.

Wir werden das Thema weiter verfolgen, sind bei Fragen ansprechbar - und selbstverständlich für Hinweise dankbar.


Hannes Heiler, 18.7.98
BM-Online